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(Bild: pd)

Leserbrief: Velo von Konfirmandin während Gottesdienst gestohlen

René Walser Kommentare

Leider musste meine Tocher diesen Sonntag eine bittere (Lebens-) Erfahrung machen, als sie aus dem morgendlichen Gottesdienst gekommen ist. Ihr heissgeliebtes Velo war weg. Keine Spur von ihm, so sehr sie es um die Kirche und anschliessend auch im ganzen Dorf gesucht hat.

Leider konnte ich als Vater viele ihrer Fragen nicht beantworten: Welcher Mensch klaut während eines Gottesdienstes ein vor der Kirche abgestelltes Velo? Welcher Mensch beklaut bewusst ein Kind (das Velo war klar ersichtlich mit dem üblichen Aufkleber der Oberstufe Gässeli Widnau (OGW) versehen)? Wieso wird heutzutage überhaupt alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist? Wieso wird das siebte Gebot Gottes mit den Füssen getreten? Wieso zuckt die Polizei zu solchen Meldungen höchstens noch mit den Schultern? In was für einer Welt leben wir?

Zur letzten Frage hatte ich dann doch zumindest den Versuch einer Antwort. Es ist vor allem die Welt, die nicht Gott, sondern die wir (Erwachsenen) uns selber geschaffen haben. Die uns teilweise auch die Damen und Herren Staatsanwälte und Richter geschaffen haben, mit viel Nachsicht und kaum je mal einer Ausschöpfung des gesetzlich möglichen Rahmens (Diebstahl: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, Art. 139 StGB). Daher gibt es auch Null Abschreckung für solche Täter:

Ein Velo geklaut? Lachhaft!
Sachbeschädigungen vorgenommen? Kinderkram!
Eine Tankstelle überfallen? Peanuts!
Passanten ausgeraubt? Gähn!
Körperverletzungen? Kann passieren!
Mit 150 über die Autobahn, ohne konkrete Gefährdung Dritter? Geht gar nicht! Auto einstampfen und ab ins Gefängnis!

Wieso wird nur im letzten Fall alle Härte des Gesetzes angewendet? Wieso ist das grosse Engagement des Polizei- und Justizapparates nur im Strassenverkehr spürbar? Zählt der Schutz des Eigentums und die Unversehrtheit der Bürger und Kinder gar nichts mehr?

Vermutlich ist schliesslich gar meine Tochter selber schuld, sie muss ja auch nicht mit ihrem geliebten Velo zur Kirche fahren, sondern würde wohl gescheiter zu Fuss dahin laufen. Somit würde sie dem armen Dieb auch nicht ihr schönes Velo präsentieren und ihn sozusagen zwingen, es mitzunehmen.

Oder soll sie besser gar nicht mehr in die Kirche? Denn dann hätte sie ja ihr Velo noch. In was für einer kranken Welt leben wir?

 

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