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Diepoldsau

Jack Graf mit seinem ausgestopften Konrad
Jack Graf mit seinem ausgestopften Konrad (sc)

Leider legt Konrad keine grünen Eier mehr

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Jack und Carmen Graf in Diepoldsau freuten sich täglich an ihrer Henne, die sie wegen eines Irrtums Konrad getauft hatten. Konrad legte grüne Eier. Mal mehr, mal weniger. Er war ein Lustiger und wurde 15 Jahre alt. Jetzt schmückt er das Fussball-Zimmer.

«An Ostern ist er tot vom Stängeli gefallen.» Jack Graf gibt sich locker. Aber er trauert. Seine Frau Carmen und er erinnern sich mit Wehmut an Konrad, der eine Sie war. Ein Huhn, eine Henne. Sie bedauern, keines der grünen Eier aufbewahrt zu haben. Konrad legte in seinem langen Leben wohl weit über tausend davon; in jungen Jahren täglich eines, später ein paar pro Woche. Manchmal machte Konrad eine Legepause. Eine davon dauerte genau zwei Wochen, erinnert sich Jack.
 

Ei auf dem Cabrio-Rücksitz

Die Familie war in die Ferien gefahren. Jacks Bruder passte auf Konrad auf. «Er hatte es gut dort, mit Auslauf, mit seinem gewohnten Futter, aber er legte kein einziges Ei.» Nach den Ferien holte Jack seinen Konrad mit dem Cabriolet nach Hause. Konrad mochte das Autofahren. Während er im Auto auf seinen Fahrer wartete und dieser sich etwas länger mit seinem Bruder unterhielt, legte Konrad ein Ei. Auf den Rücksitz. Ein grünes. Wie immer. Konrad war vermutlich ein Araucana-Huhn. Oder verwandt mit dieser alten Hühner-Rasse aus den südamerikanischen Anden. In Europa gibt es die seltenen und sehr urtümlichen Hühner erst seit etwa hundert Jahren.
Jack Graf, aufgewachsen in Rebstein, kaufte Konrad im Jahr 2000 auf dem Rebsteiner Kleinviehmarkt einem Privatzüchter ab. Zusammen mit ein paar weiteren Hühnern. Für fünf Franken pro Stück. «Richtige» Hühner kosten etwa das Fünffache.
 

Drei Fuchs-Angriffe überlebt

«Mir gefielen die kleinen, seltsamen, fast schwanzlosen  Tierchen. Ich kaufte sie ja nicht wegen der Aussicht auf viele Eier, sondern vor allem zum Liebhaben.» Weil Jack bei einem seiner neuen, gefiederten Freunde den Ansatz eines Kamms wahrzunehmen glaubte und gleichzeitig der damalige Nachbar grad interessiert vorbei schaute, nannte er den vermeintlichen Hahn Konrad. So hiess der Nachbar. Als Konrad bald sein erstes grünes Ei legte, staunten darum die Familie wie der Nachbar doppelt.
Obwohl Konrad kein Hahn war, stieg er schnell zum Chef über Grafs Hühnervölkchen auf. Und er fiel auf, weil er zutraulicher, origineller, lebhafter war als seine Kolleginnen und Kollegen. Er sass bei Jack auf den Knien, wenn er mit seinen Kollegen jasste, und nur Konrad durfte mit den Männern Fussball gucken im speziell eingerichteten FCB-Fussball-Zimmer mit grossem Bildschirm und den vielen Fanartikeln. Konrad konnte fliegen wie ein Vogel, «aber er wusste, wo er zu Hause ist und haute nie ab», erzählt Jack. Darum stutzte er Konrads Flügel nie.
Seine Flugfähigkeit, Aufmerksamkeit und Intelligenz rettete den lustigen Vogel dreimal vor dem Fuchs, der über die letzten 15 Jahre dreimal das ganze Volk dahin raffte. Konrad erwischte er nie. Konrad rettete sich bei jedem Angriff in die Bäume der Umgebung und kehrte erst auf Lockrufe seines Freundes und Meisters Jack wieder ins Gehege zurück.

Ehrenplatz im FCB-Zimmer

Dieser Tage ist Konrad als Tierpräparat zur Familie Graf zurück gekehrt. Er bekomme einen Ehrenplatz im FCB-Zimmer, verspricht Jack Graf. Zuvor hatte aber Konrad gar als toter Vogel von sich reden gemacht: Weil Jack an Konrads Todestag mit seinen Freuden in die Ferien fuhr, steckte er den toten Vogel in die Gefriertruhe. Um ihn später dem Präparator zu bringen. Noch gleichentags erschreckte dann Konrad erstmals die Ehefrau Carmen –  samt Enkelin.