rheintaler.ch

Videos

Kosten wegen Bibern massiv höher

Kurt Latzer Kommentare

Der Unterhaltsaufwand für die Melioration der Rheinebene wird wegen der Nager immer grösser und teurer.

Kurt Latzer

Die Biberpopulation im Rheintal nimmt stetig zu, die Kosten, um die Kanäle zu unterhalten, stiegen massiv. 2019 schlug der Mehraufwand wegen der Nagetiere bei der Melioration der Rheinebene mit etwa 60000 Franken zu Buche.

«Für 2020 rechnen wir mit Kosten von 80000 bis 100000 Franken», sagt Matthias Kreis, technischer Leiter der Melioration. Auf einem Rundgang am mittleren Seegraben zwischen Altstätten und Rebstein mit Patrick Knür, Teamleiter Kulturen bei der Melioration, zeigt sich das wahre Ausmass der Biberaktivitäten.

Verborgene und sichtbare Gefahren

Bis zu zwei Meter hoch haben die Baukünstler Dämme aufgeschichtet. Wertvolle Bäume wie Eichen sind den Nagern zum Opfer gefallen oder mussten mit Gittern geschützt werden. Wie sich auf dem Rundgang zeigt, sind angenagte Bäume für die Nutzer von Feldwegen gefährlich. «Allein deshalb sind regelmässige Kontrollen nötig», sagt Knür.

Wie jüngst in Medien zu lesen war, versucht man im Thurgau, den Nagern durch das Auftragen einer quarzsandhaltigen Farbe die Lust am Knabbern zu nehmen. Gefährlich werden besonders die Höhlen der Tiere. Für ihre Behausungen graben sie in Böschungen tiefe Löcher. Oft graben die Tiere unter Wegen entlang von Kanälen. Gibt die Höhlendecke nach, entstehen teils einen Meter tiefe Löcher. «Tritt in der Dämmerung ein Spaziergänger, oder noch schlimmer, ein Pferd, in so ein Loch, kann das böse enden», sagt Patrick Knür. In einem Fall mussten Massnahmen ergriffen werden, weil der Rückstau eines Biberbaus den Keller eines Landwirts unter Wasser setzte.

Die Wildhut schätzt, dass es vom Bodensee bis Sargans rund 30 Biberreviere gibt. «Die letzte landesweite Zählung der Biber fand 2008 statt. Damals wurden in der Schweiz rund 1600 Biber gezählt», sagt Arno Puorger vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Der Bestand in der Schweiz wurde 2019 auf 3500 Tiere geschätzt. Puorger geht davon aus, dass heute deutlich mehr dieser Nagetiere existieren als bei der letzten Zählung. Das auf den Winter geplante Biber-Monitoring ist aber Corona zum Opfer gefallen. Die Zählung will das Amt im nächsten Winter nachholen.

Sonderregelung für Biberdämme greift

Im Rheintal fand am 21. August 2020 eine Begehung statt, an der Vertreter der Melioration, des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei (Anif) sowie der Naturschutzorganisationen teilnahmen. Nach dem Augenschein wurde eine Karte erstellt, die heute als Basis für Massnahmen für die Erfassung von Biberbauten dient. Auf der Karte sind rote und grüne Abschnitte zu sehen. «In den rot markierten, den technischen Gewässern der Melioration, dürfen wir nach Rücksprache mit dem Anif Dämme entfernen», sagt Patrick Knür.

Die Perimeterpflichtigen zahlen die Zeche

Alle vorgenommenen Veränderungen an Biberbauten müssen die Mitarbeiter der Melioration dokumentieren und die Unterlagen dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei übermitteln. Auf dem Weg entlang des mittleren Seegrabens zeigte Patrick Knür eine Stelle, an der vor gut einem Monat ein hoher Damm entfernt wurde. An gleicher Stelle hat der Nager bereits wieder Äste, Schlamm, Steine und anderes aufgeschichtet, etwa einen halben Meter hoch.

«Wir sind jede Woche unterwegs, um die Gräben zu kontrollieren», sagt der Teamleiter Kulturen. Den Mehraufwand muss die Melioration der Rheinebene berappen. Weder von Bund, Kanton oder Naturschutzorganisationen gibt es einen Zustupf an den Mehraufwand, der wegen der fleissigen Nager nötig ist.

Folge uns: