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Altstätten

Oscar Tognini, Tobias Zehnder, Noah Walser und Raphael Siegrist (vorne) sagten den Chauffeuren, wie sie als Jugendliche die Fahrt im Bus erleben und was sie gerne anders hätten. Die Chauffeure ihrerseits platzierten Wünsche, wie sich Jugendliche im Bus verhalten sollten.
Oscar Tognini, Tobias Zehnder, Noah Walser und Raphael Siegrist (vorne) sagten den Chauffeuren, wie sie als Jugendliche die Fahrt im Bus erleben und was sie gerne anders hätten. Die Chauffeure ihrerseits platzierten Wünsche, wie sich Jugendliche im Bus verhalten sollten. (Bild: Max Tinner)

Konfrontation mit dem Kunden

Max Tinner Kommentare

Die Mitarbeiter von Bus Ostschweiz absolvieren regelmässig Weiterbildungen. In der aktuellen geht es um ein besseres Verständnis für die Fahrgäste. Solche hat man darum in den Kurs eingeladen, auch vier Jugendliche.

Max Tinner

Buschauffeure und Jugendliche – ihr Verhältnis zueinander ist eine Hassliebe. Beide enervieren sich (zuweilen) über die anderen: die Chauffeure über das Benehmen der Jugendlichen; die Jugendlichen, weil die Chauffeure sie zurechtweisen. Und doch brauchen beide einander: die Chauffeure die Fahrgäste, die Jugendlichen das Transportmittel.

Bus Ostschweiz bringt nun ihre Chauffeure, die auf den Linien der RTB Rheintal Bus, Bus Sarganserland-Werdenberg und Wil Mobil unterwegs sind, und Jugendliche während eines eintägigen Kurses für einmal ausserhalb eines Busses zusammen. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die gegenseitigen Erwartungen zu analysieren.

Christian Rieger und Patrick Infanger von MoveQuality als Kursanbieter hatten für die gestrige erste Gruppe über die Schulen vier Jugendliche dafür gewinnen können, die Oberstufenschüler Tobias Zehnder und Raphael Siegrist aus Altstätten und die Kantischüler Oscar Tognini aus Heerbrugg und Noah Walser aus Widnau. Sie hatten dabei Gelegenheit, loszuwerden, was ihnen am Busbetrieb nicht passt. Etwa, dass der Chauffeur nicht schneller fährt, wo der Bus ohnehin schon Verspätung hat. Oder dass ein Bus an der Haltestelle vorbeifährt, obwohl man doch mit will.

Die Chauffeure nahmen die Kritik zur Kenntnis, machten aber auch klar, dass alles seine Gründe hat, dass es trotz Verspätung aus Sicherheitsgründen halt nicht schneller geht, und dass manchmal schlicht nicht klar ist, ob jemand tatsächlich auf den Bus möchte – etwa wenn jemand ins Smartphone vertieft ist und keinen Blickkontakt sucht.

So wie die Jugendlichen sich von den Chauffeuren mehr Respekt wünschten, so baten jene um mehr Einsicht. Etwa dafür, dass man bei grossem Andrang nach hinten durchgehen soll, weil beim Gedränge vor den Türen, sich diese nicht schliessen lassen und es deswegen schnell zu Verspätungen kommt. Oder dass Essen und Trinken im Bus aus gutem Grund nicht gestattet ist – es gibt kaum einen Chauffeur, der nicht schon wegen Reinigungsarbeiten erst um einiges später Feierabend machen konnte.

Das Werteverständnis hat sich gewandelt

Spannend war zu sehen, dass sowohl Chauffeure wie Jugendliche sich von den jeweils anderen mehr Freundlichkeit wünschen. Kursleiter Christian Rieger stellte allerdings fest, dass Jugendliche und Ältere darunter nicht das selbe verstehen: «Manche Jugendliche erachten schon den blossen Blickkontakt als Zeichen der Freundlichkeit.» Auch Sprache und Kleidung zeigten den Wandel des Werteverständnisses. Für Patrick Infanger kommt es nun darauf an, ob man bereit ist, die Werte der Jugend zu akzeptieren – «das ist eine Frage der Toleranz».

Selbstverständlich befördern die Busse nicht nur Jugendliche, sondern auch andere Altersgruppen. In einem weiteren Block des Kurses sind darum Fahrgäste mit anderen Bedürfnissen dabei, gestern auch jemand, der blind ist, und jemand, der auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Und weil nicht nur Chauffeure Kundenkontakt haben, sondern beispielsweise auch , wer bei den Busbetrieben das Telefon abnimmt, absolvieren diese Chauffeurweiterbildung auch andere Mitarbeitende von Bus Ostschweiz. Letzten Endes steht für alle Mitarbeitenden ein Ziel im Vordergrund: Ihre Kundinnen und Kunden und deren Bedürfnisse besser zu kennen und zu verstehen.