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Kraftvoll interpretieren die Schülerinnen die humorvollen Szenen des Kleist-Stücks. Bild: Max Pflüger
Kraftvoll interpretieren die Schülerinnen die humorvollen Szenen des Kleist-Stücks. Bild: Max Pflüger

Komödiantische Gerichtsverhandlung

Max Pflüger Kommentare

Kleists «Zerbrochner Krug» wurde bereits vor den Sommerferien an

Bereits vor den Sommerferien führte die Klasse 4GLaWa der Kantonsschule Heerbrugg unter der Regie ihrer Deutschlehrerin Milena Todić Kleists Klassiker «Der zerbrochne Krug» für Eltern, Kolleginnen und Kollegen einmal auf. Der grosse Erfolg liess den Entschluss reifen, das Stück noch einmal als öffentliche Vorstellung aufzuführen. Dazu lädt die Klasse am Freitag, 23. September, um 19 Uhr in die Aula der Kantonsschule ein.

Vorbereitung auf eine erfolgreiche Vorstellung

Unsere Zeitung besuchte am Mittwochnachmittag eine Probe und konnte sich von der Spielfreude und der Leistung der Kantonsschüler überzeugen. Es galt dabei, über die langen Sommerferien vergessene Textstellen und Einsätze aufzufrischen und für die Aufführung in der kommenden Woche wieder bereit zu sein.

Das gelang. Hie und da musste Regisseurin Milena Todić Akzente neu setzen oder an den präzisen Einsatz erinnern. Auch deutliche und laute Aussprache war ihr ein Anliegen. Zu tun gab es auch für die Ton- und Lichttechniker sowie den Regieassistenten Nando Büchel.

Psychologische Entwicklung durch Epochen

Milena Todić hat eine eigene Sicht auf das Kleist-Werk geschaffen. Interessant an der Inszenierung durch die Heerbrugger Kantischüler ist die Aufteilung in vier Szenen, die durch vier völlig unterschiedliche Epochen führen. Der wechselnde Zeitgeist zeichnet gleichzeitig die Entwicklung der Hauptperson nach. Der fehlbare Richter Adam verstrickt sich dabei immer weiter in sein Lügenkonstrukt, bis dieses schliesslich in sich zusammenbricht.

Die erste Szene spielt draussen im Garten zur Zeit des Biedermeiers. Der biedere Adam setzt sich mit ersten Lügen in die Nesseln. Im Gerichtssaal, auf der Aulabühne, friert die Szene dann ein und das Schauspielerteam wechselt. In den «Roaring Twenties» agiert Adam als gewiefter Ganovenboss, während Frau Marthe sich alle Mühe gibt, die Ehre ihrer Tochter noch einmal zu retten. In den Siebziger Jahren wird Eve zum aufmüpfigen, antiautoritär erzogenen, etwas früh zur Mutter werdenden Teenager. Und in der Moderne bricht das Lügengebäude des Richters als Teufelswerk zusammen, Afghanistan und Syrien blitzen als unheimliches Wetterleuchten im Stück auf.

Die Entwicklung des Richters parallel zur gesellschaftlichen Entwicklung der abendländischen Menschheit verleihen der Kleist-Komödie einen neuen, erweiterten Sinn.