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Winterknoblauch hat nicht gern nasse Füsse, er wächst lieber auf einem Damm.
Winterknoblauch hat nicht gern nasse Füsse, er wächst lieber auf einem Damm. (Bild: Eveline Dudda)

Keine nassen Füsse im Winter

Eveline Dudda Kommentare

Im Sommer wäre ich gerne Tag und Nacht im Freien, im Win­- ter ziehe ich die warme Stube vor. Diese Wahl hat mein Ge­müse nicht, es muss draussen bleiben. Dem Wintergemüse macht Kälte wenig aus – zumindest so­lange es keine «nassen Füsse» hat. Bei Staunässe nimmt die Winterhärte rapide ab, und wenn die Wurzeln erst einmal verfault sind, erholt sich die Pflanze mehr. Winterliche Staunässe ist gerade auf den Rietböden im Rheintal keine Seltenheit. Das Nasse-Füsse-Problem lässt sich dort entschärfen, indem man Winterknoblauch, -zwiebeln, -kopfsalat, -spinat usw. auf Dämmen anbaut.

Bereits auf einem zehn Zentimeter hohen Erdwall stehen die Pflanzen quasi «über den Dingen» und überwintern besser. Der Nachteil: In sehr niederschlagsarmen Wintern kann es passieren, dass die Dämme austrocknen. Dann muss man auch mal giessen, um Frosttrocknis zu vermeiden. Allerdings nur an frostfreien Tagen und nur mit so viel Wasser, wie der Boden schlucken kann.

Mitunter kann man beobachten, dass das Gemüse in höheren Lagen besser überwintert als im Tal. Das liegt fast immer am Schnee. Unter einer dicken Schicht aus lockerem Schnee kann die Temperatur in Bodennähe bis zu zehn Grad höher ausfallen als über dem Schnee. Nasser Schnee bewirkt allerdings das Gegenteil, er wirkt wie ein Kältespeicher. Man tut den Pflanzen also keinen Gefallen, wenn man nassen Schnee in die Beete schaufelt. Sie freuen sich eher über eine Schneemauer am Beetrand, die die Bise abhält. Wer schon mal im Wind in der Kälte stand, weiss wie sehr die gefühlte Temperatur von der gemessenen Temperatur abweichen kann.

Wintergemüse hat die beneidenswerte Fähigkeit, im Winter die Zahl Moleküle im Gewebe zu erhöhen und natürliche Frostschutzmittel einzulagern. Dieser Prozess braucht allerdings Zeit. Diese Zeit haben die Pflanzen nur, wenn man sie nicht gleich bei der ersten herbstlichen Bise von Kopf bis Fuss einpackt. Am besten greift man erst dann zu einem Vlies oder sonstigem Winterschutz, wenn die Kälte direkt vor der Tür steht – und wir uns gerne ins warme Haus zurückziehen.

Eveline Dudda

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