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Kapf darf Kirchgemeinde wechseln

Max Tinner Kommentare

Der Weiler Kapf ob Lüchingen gehört zu Oberegg. Die Reformierten hier sind in Reute kirchgenössig. Wegen des weiten Kirchwegs wird ihnen nun der Wechsel in die Evangelische Kirchgemeinde Altstätten angeboten – was begrüsst wird.

ALTSTÄTTEN/REUTE/OBEREGG. Der Kapf ob Lüchingen gehört zum Appenzell Innerrhoder Bezirk Oberegg. Kirchgenössig ist die katholische Mehrheit in diesem Weiler seit jeher in Marbach. Die mit der Zeit zugezogenen Reformierten wiederum gehören der Evangelischen Kirchgemeinde Reute-Oberegg an. Dies ist historisch sowie staats- und staatskirchenrechtlich bedingt. Weil die reformierten Kirchen von Altstätten, Marbach und selbst Rebstein näher liegen als jene von Reute, besucht aber der eine oder andere reformierte Käpfler eher den Gottesdienst in einer dieser Kirchen, wo er aber kein Mitspracherecht in Kirchgemeindeangelegenheiten hat.

Mehrheitlich dafür

Darum wird den reformierten Einwohnern des Kapfs nun ein Wechsel in die Evangelische Kirchgemeinde Altstätten angeboten. Am Montag waren sie ins evangelische Kirchgemeindehaus in Altstätten eingeladen, damit sie ihre Meinungen und Wünsche deponieren konnten. Betroffen von der angebotenen Änderung der Kirchgemeindegrenze sind allerdings nur wenige Familien und Einzelpersonen. Lediglich acht von rund 70 erwachsenen Einwohnern des Weilers sind reformiert. Zwei kamen an den Informationsabend, eine weitere Familie hatte sich vorgängig telefonisch zu Wort gemeldet. Jene Betroffenen, die sich zum Angebot geäussert haben, befürworten den Wechsel. Zwei Gründe schwingen obenaus: zum einen die geographische Nähe zu Altstätten, zum anderen sollen die Kinder weiterhin den Religionsunterricht mit ihren Schul-Gspänli besuchen können. Die Kinder vom Kapf gehen in Lüchingen in die Primarschule und in Altstätten in die Oberstufe und besuchen (bislang aufgrund einer Regelung zwischen den beiden Kirchgemeinden) auch hier den Religionsunterricht.

Auch weitere Gebiete im Bezirk

Die Änderung der Kirchgemeindegrenze wird nicht nur den Reformierten im Kapf, sondern auch anderen Reformierten im Bezirk Oberegg mit weitem Kirchweg nach Reute angeboten. Dort zum Teil mit umgekehrten Vorzeichen: Die Büriswiler Reformierten, die heute der Kirchgemeinde Berneck-Au-Heerbrugg angehören, hätten sich etwa für einen Wechsel nach Reute-Oberegg ausgesprochen, sagt Arthur Sturzenegger. Der frühere Rüütiger Gemeindepräsident und Ausserrhoder Kantonsratspräsident ist mit den Abklärungen in den betroffenen Gebieten und der Koordination des Verfahrens betraut worden. Ebenfalls noch zu klären sei die Situation in der Gegend des St. Anton, wo es manche Reformierte deutlich näher in die Kirche im ausserrhodischen Wald als nach Reute hätten, sagt Sturzenegger.

Die Kirchenvorsteherschaften sind offen für die Grenzverschiebungen. Das seelsorgerliche Wohl der Betroffenen steht im Vordergrund, betonen sowohl Regula Schibli (Präsidentin Reute-Oberegg) und Ursula Schelling (Präsidentin Altstätten) als auch Markus Bernet, der Kirchenschreiber der evangelischen Kantonalkirche St. Gallen.

Vollzogen werden sollen die allfälligen Änderungen der Kirchgemeindegrenzen auf das Jahr 2017. Vorgängig werden sich nächstes Jahr die Kirchbürgerversammlungen äussern können – und abschliessend auch das St. Galler Kirchenparlament, wie Markus Bernet erklärt.

Konkordat nötig

Ausserdem ist für den Wechsel des Kapfs ein interkantonales Konkordat nötig. Ein solches hat der Kanton Appenzell Innerrhoden 2012 bereits mit dem Katholischen Konfessionsteil St. Gallen für die katholischen Oberegger abgeschlossen, die einer st. gallischen Kirchgemeinde angehören.

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