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Auf dem Feld setzte sich das Team Rheintal mit 5:2 durch. Lange hielt Au-Berneck aber sehr gut mit der Auswahl mit.
Auf dem Feld setzte sich das Team Rheintal mit 5:2 durch. Lange hielt Au-Berneck aber sehr gut mit der Auswahl mit. (Bilder: Remo Zollinger)

Junioren und Zaungäste dürfen

Remo Zollinger Kommentare

Im Rheintal wird wieder Fussball gespielt – bei den Junioren zumindest. Zuschauer müssen draussen bleiben.

Wer am Samstagnachmittag das B-Junioren-Testspiel zwischen dem FC Au-Berneck und dem Team Rheintal besuchen will, bekommt es mit dem Präsident persönlich zu tun. Am Eingang zum Sportplatz steht Ernst Graf, der dem Degern-Club vorsteht, und weist alle weg. «Hier darf niemand rein, der nicht zu den Mannschaften gehört», sagt er, andeutend, dass der häufig gebrauchte Ausdruck «Zaungast» heute ernst gemeint ist.

So ziehen Eltern und Kollegen der Spieler wieder ab, um das Spiel von hinter dem Zaun aus zu verfolgen. Dort dürfen sie stehen; das Areal ist ausserhalb der Anlage, die der Fussballclub kontrollieren muss. Ernst Graf wird es nicht langweilig. Es sind doch einige, die das Spiel sehen wollen – wohl auch, weil es sonst einfach keinen Live-Fussball zu sehen gibt.

«Auch die anderen wollen Fussball spielen»

Auch sonst hat der Präsident einiges zu tun. Der FC Au-Berneck baut ein neues Clubhaus, die Visiere dafür stehen auf dem Platz. Und natürlich beschäftigt ihn auch das Thema Corona. Kaum ein Verein in der Region hat so viele Junioren wie Au-Berneck. Graf freut, dass wenigstens sie wieder spielen dürfen. Er sagt: «Auch die anderen wollen Fussball spielen. Sie müssen jetzt Geduld haben.» Der Ostschweizerische Fussballverband hat den Rückrundenstart der Erwachsenen am letzten Freitag einmal mehr verschieben müssen. Die Saison wird verkürzt.

Während Graf vom bunten Präsidentenalltag erzählt, betreten die Spieler und der Schiedsrichter den Kunstrasenplatz. Ein Shakehands vor dem Spiel gibt es nicht, auch die Grüppchen an Zaungästen stehen weit voneinander entfernt. Der Linienrichter, ein verletzter Auer Junior, trägt Maske.

Ein maskierter Linienrichter.

Mit Au-Berneck, das in der Promotion spielt, und dem aus Spielern verschiedener Vereine bestehende Team Rheintal stehen sich zwei gute Mannschaften gegenüber. Für lange Zeit ist der grösste Unterschied zwischen ihnen die Chancenauswertung. Zur Pause steht es 0:1, Shaan Sonderegger hat in der 21. Minute getroffen. Aber auch die Gastgeber hatten gute Möglichkeiten, konnten jedoch keine davon verwerten.

Taktisch ist das Team Rheintal gut geschult

Das Spiel bewegt sich auf einem guten Niveau, das ist sofort erkennbar. Und hörbar. «Wir haben doch gesagt, wir hauen keine Bälle einfach nach vorn», ruft Team-Rheintal-Trainer Roberto Varano, nachdem einer seiner Schützlinge ebendies getan hat. Im Team Rheintal, das in der höchsten Liga des Breitenfussballs spielt, wachsen zukünftige «Eins»-Spieler der Rheintaler Clubs heran. Einige, etwa Captain Noé Rieser, trainieren jetzt schon mit dem Fanionteam. Andere – Adel Amer, Elija Holenstein, Ylber Sadriu – schnupperten letztes Jahr am Pokalturnier Erwachsenenfussball-Luft.

Was besonders auffällt: Taktisch ist das Team sehr gut eingestellt. Und es sucht nicht immer sofort die Offensive: Ist keine Anspielstation da, geht’s halt auch mal abwartend hintenrum, statt kopflos anzugreifen und den Ball zu verlieren.

Die Vereine leiden am Ausfall der Gastronomie

Eine Bratwurst und ein Pausengetränk gibt es nicht. Enzo Stella, der mit seiner Frau in unverkennbar charmanter Art das Clublokal führt, ist zum Nichtstun gezwungen. «Das ist schade, wir haben uns auf den Frühling gefreut und machen diese Arbeit sehr gern», sagt er. Zurzeit darf er jedoch nichts ausschenken; der Grill bleibt im Häuschen versorgt, der Zapfhahn ist stillgelegt. Wie den FC Au-Berneck schmerzt es alle Fussballvereine im Rheintal, keine Gastronomie betreiben zu können. Einige beklagen hohe Einnahmeausfälle, die kaum kompensiert werden können.

Wo sonst die Familie Stella die Gäste verwöhnt, herrscht Leere.

Enzo Stella ist heute hier, um seinen Enkel spielen zu sehen. Cristian Navarro ist Innenverteidiger beim Team Rheintal und zeigt eine starke Leistung. Einmal, kurz vor Schluss, wird er hart an der Nase getroffen, er kämpft jedoch weiter.

Die Szene zeigt, wie motiviert die Junioren zurzeit sind. «Für sie war es eine unglaubliche Erleichterung, wieder trainieren und spielen zu dürfen. Sie sind mit spürbarer Freude dabei», sagt Roberto Varano. Adnan Hebibi, Trainer von Au-Bernecks B-Junioren, erlebt den Nachwuchsfussball im Frühjahr 2021 auch so. «Die Jungs ziehen immer voll mit, der Trainingsbesuch ist hervorragend. In jeder Einheit sind 16 bis 20 Spieler dabei», sagt Adnan Hebibi. Wegen der Pandemie habe keiner seiner Spieler die Lust am Fussball verloren und aufgehört.

Ein Bild fürs Familienalbum? Das geht auch durch den Zaun.

Die Vorfreude auf die Meisterschaft, die Mitte April beginnt, sei grösser als der Frust über Corona, so Adnan Hebibi. Dies bezeugt auch Roberto Varano: «Ich muss die Jungs eher bremsen als motivieren.»

Am Ende setzt sich die grössere Klasse durch

Unter den Augen von rund 25 Zuschauerinnen und Zuschauern hinter dem Zaun erzielt das Team Rheintal kurz nach der Pause das 2:0. Au-Berneck gibt nicht auf. Ein schöner Schuss landet am Pfosten, weil der Goalie noch dran ist; dann scheitert Keshavan Lingeswaran per Kopf aus guter Position. Mit dem 3:0 für die Gäste (60.), die vor allem Spieler aus Widnau und Diepoldsau aufgestellt haben, ist das Spiel entschieden. Kurz später folgt das 4:0. Au-Berneck belohnt sich in der Schlussphase, in der das gute Spiel etwas ausfranst, mit zwei Toren für seinen grossen Aufwand und zeigte eine gute Leistung. Weil zwischen diesen Samuel Stiendl sehenswert für das Team Rheintal trifft, steht es am Ende 5:2.

Ernst Graf ist mit dem Auftritt der Heimelf zufrieden. Er ist auch nach dem Spiel beim Eingang anzutreffen. Die B-Junioren verlassen die Anlage, gleich testen noch die C-Junioren, die wohl auch Zuschauer erwarten. Auch sie dürfen auf Grafs Anweisung hin hinter dem Zaun Platz nehmen – aber immerhin ist überhaupt ein Spiel.

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