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Junger Vater erzählt vom Leben zwischen Bürostuhl und rosa Steckenpferd

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#Livingfact: Modern Daddies sind auf dem Vormarsch! Sie teilen sich die Kindeserziehung mit ihrer Partnerin. Manuel aus Widnau stellt sich unseren Fragen über sein Leben als «Modern Daddy».

Name: Manuel Alter: 30 Wohnort: Widnau Beruf: Modern Daddy, Drummer und Projektleiter

Habt ihr als Eltern gleich gewusst, dass ihr kein klassisches Familienmodell wollt (die Frau am Herd und der Mann geht Vollzeit arbeiten)?

Eigentlich hat sich dies einfach so ergeben, da ich bereits vor der Familiengründung Teilzeitangestellter war und die übrige Zeit für mein Schlagzeugstudium verwendet habe. Das Studium konnte ich etwa gleichzeitig mit der Geburt unserer Tochter abschliessen. Dies ergab quasi den fliegenden Wechsel von der Schulbank hinter den Herd.

Wieso kam das klassische Modell für euch nicht in Frage?

Einmal Hausmann zu sein und dies mit meiner Tätigkeit als Berufsmusiker verbinden zu können, war schon immer mein Traum. Da meine Frau ebenfalls Teilzeit arbeiten wollte, stand nichts anderes zur Debatte.

Wie teilt ihr euch Arbeit und Haushalt auf?

Wir arbeiten beide zu 60% und übernehmen je 40% der Kinderbetreuung. Die Haushaltsaufgaben werden nicht aufgeteilt – zumindest nicht konkret. Grundsätzlich machen beide alles.

Bekommt ihr Unterstützung in der Kinderbetreuung an dem Tag, an dem beide arbeiten?

Ja, wir haben das grosse Glück, dass eine der Grossmütter einen Tag pro Woche die Kinderbetreuung übernimmt. Es ist schwer zu sagen, wer sich jeweils mehr auf diesen Tag freut, Tochter oder Grossmama.

Was gäbe es für Alternativen, wenn die Schwiegermutter nicht aushelfen könnte?

Eine Kinderkrippe oder Tagesmutter wäre durchaus eine Alternative. Ich sehe es als Bereicherung für die soziale Entwicklung eines Kindes, wenn es nicht ausschliesslich von Mami und Papi betreut wird.

Worin siehst du die Vorteile eures Modells?

Vor allem darin, dass ich viel umfangreicher und hautnah miterlebe, wie mein Kind heranwächst. Die ersten Schritte, die ersten Worte etc. Viele Väter bekommen das höchstens durch Erzählungen, Filme oder Fotos mit.

Auch die Kombination von Privat- und Berufsleben macht den Alltag sehr abwechslungsreich. Zudem können so beide Elternteile berufstätig bleiben und verlieren den Anschluss nicht.

Wo gibt es Nachteile?

Ganz klar in der Organisation: Es ist wie Jobsharing. Man muss sich untereinander sehr gut absprechen, damit auch zu Hause alles reibungslos läuft und nichts vergessen geht.

Wie teilst du dir deine Zeit ein?

Ohne meinen digitalen Kalender wäre ich aufgeschmissen. Auch meine Frau führt einen solchen. So sehen wir unsere Termine gegenseitig in Echtzeit, was die Organisation extrem erleichtert.

Mit welchen Herausforderungen wirst du als Hausmann konfrontiert?

Mir nicht zu viel vorzunehmen! Ich war es gewohnt, dass ich an einem halben Tag etliche Dinge erledigen konnte. Zusammen mit dem Kind reicht es gerade für einen Spaziergang zur Migros, Kochen am Mittag und fertig. Packe ich mehr in einen Vormittag, fühlt es sich an, als ob ich mit angezogener Handbremse versuchen würde, eine Rallye zu gewinnen.

Womit hast du am meisten Mühe?

Mit dem Aufstehen in der Nacht. Meine Frau schafft das auf bewundernswerte Weise viel lockerer als ich. Wer weiss, vielleicht spielen da auch noch die Mami-Hormone mit, von denen ich keine abbekommen habe :)

Findest du auch mal Zeit für dich selbst?

Ja, während die Kleine beim Mittagsschlaf ist, und an den Abenden. Da liegt’s dann auch drin, ein bisschen zu relaxen auf der Couch. Schliesslich soll sich ja auch das Netflix-Abo bezahlt machen!

Habt ihr durch euer Familienmanagement finanzielle Nachteile?

Meine Frau und ich haben ein ungefähr ausgeglichenes Lohnniveau, weshalb es für uns finanziell keinen Unterschied macht, wer von uns arbeiten geht. Mir geht es im Endeffekt darum, einfach glücklich zu sein und «Ja» zu mir selbst sagen zu können.

Was uns insgeheim schon lange interessiert: Gehst du auch an die Mütter-Treffs zu Kaffee, Kuchen und Tratsch?

An einem solchen Treff war ich bisher nicht, zumindest nicht an einem organisierten. Dass ich untertags auch andere Mütter treffe, war aber von Anfang an so. Im Business nennt man das «Erfahrungsaustausch», in der Mütterrunde «Krabbelgruppe». Unterm Strich ist es genau das Gleiche: Alle brabbeln unverständliches Zeugs, aber das Gipfeli schmeckt gut!

Dein Tipp an junge Familien, die sich überlegen, ein ähnliches Familienmodell einzuführen:

Früh das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen: Nicht alle Stellen lassen sich prozentual einfach reduzieren, oft eröffnen solche Gespräche aber ungeahnte Möglichkeiten.

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