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Kobelwald

Der heilige Josef ist der Schatten des himmlischen Vaters geworden.
Der heilige Josef ist der Schatten des himmlischen Vaters geworden. (Bild: depositphotos / AOosthuizen)

Josef – der Schatten des himmlischen Vaters

Armin Scheuter Kommentare

Am 1. Mai, am internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, rückt der heilige Josef, der Ziehvater von Jesus, aus katholischer Sicht in den Blickpunkt der Geschichte.

Denn dieser Tag ist auch der Gedenktag des heiligen Josef, der vor 150 Jahren zum Schutzpatron der Kirche proklamiert wurde und als Bauhandwerker eine Brücke zum Tag der Arbeit schlägt.

Weil der heilige Josef eher ein Heiliger ist, der in der zweiten Reihe steht, hat Papst Franziskus auch am 8. Dezember 2020 ein Josefsjahr mit Gewährung eines besonderen Ablas-ses ausgerufen. Josef erinnert daran, dass all jene, die scheinbar im Verborgenen oder in der zweiten Reihe stehen, in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielen.

Damit weist Papst Franziskus besonders auch auf jene Menschen hin, die angesichts der Covid-19-Pandemie ihre Arbeitskraft auf besondere Weise in den Dienst der Gesellschaft stellen, aber dies letztlich vor dem Blick der Öffentlichkeit im Verborgenen tun. Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Transporteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Seelsorger, Ordensleute und viele, ja viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.

Schaut man näher auf die Gestalt Josefs, sind einige Aspekte auch für uns recht bedeutungsvoll. Das geistliche Leben, das Josef uns zeigt, ist ein Weg des Annehmens. Durch das Hören auf seine Träume wird Josef hineingenommen in den Heilsplan Gottes. Es beginnt schon damit, dass er Jesus wie sein eigenes Kind annimmt und ihm und Maria den nötigen gesellschaftlichen Schutz bietet, sodass Jesus in der Geborgenheit einer Familie aufwachsen kann.

Papst Franziskus schreibt dazu: «Oft geschehen in unserem Leben Dinge, deren Bedeutung wir nicht verstehen. Unsere erste Reaktion ist oft die der Enttäuschung und des Widerstandes. Josef lässt seine Überlegungen beiseite, um dem Raum zu geben, was geschieht. Wie rätselhaft es ihm auch erscheinen mag, er nimmt es an, übernimmt Verantwortung dafür und versöhnt sich mit seiner eigenen Geschichte. Wenn wir uns nicht mit unserer Geschichte versöhnen, sind wir auch nicht in der Lage, den nächsten Schritt zu tun, denn dann bleiben wir immer eine Geissel unserer Erwartungen und der daraus resultierenden Enttäuschungen.» In diesem Sinne hat Josef so seine Verantwortung angenommen und getragen.

Bezogen auf Jesus ist so der heilige Josef der Schatten des himmlischen Vaters geworden, der Jesus beschützt und behütet. Man denke nur an die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, aus Furcht vor dem grausamen Machthaber Herodes. Und das heisst für uns: Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissen Sinne Vaterschaft aus – eine Vaterschaft, die ganz im Sinne Gottes und des heiligen Josef ist.

Armin Scheuter, Pastoralassistent in Kobelwald

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