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Insidevil – «Ein gekonnter Schlag in die Fresse»

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Erst vor kurzem hatte eine Rheintaler Band am Musikcontest «bandXost» ihren ersten Auftritt. Insidevil wurde offiziell im Januar 2020 gegründet und spielt NU-Metal/Rapcore. Trotz Corona- und militärbedingter Pausen kann die Band nun Vollgas geben.

Besetzung: Sänger: Yannick Kuster, 21, Balgach, Schlagzeug: Marco Walt, 26, Diepoldsau, Bass: Marcel Spirig, 20, Diepoldsau, Gitarren: Luis Schellenberg, 20, Diepoldsau und Marco Ehrbar 20, Oberegg

Was in einem Bunker in Oberegg mit einem Verstärker und Mischpult begann, hat sich mittlerweile entwickelt. Seit einigen Monaten probt Insidevil in Diepoldsau. Im Bandraum hängen Plakate, es türmen sich Boxen auf, Mikrofon und rund ein Dutzend Gitarren sind einsatzbereit. Die improvisierten Abdichtungen, die von den Vormietern übernommen wurden, zeugen von der Lautstärke, die sich während Proben abspielt. Speziell an der Band ist, dass jedes Mitglied einen anderen Musikstil hat. Während die einen waschechte Metalheads sind, sind andere eher in einer grösseren Bandbreite an Genres unterwegs. Wichtig sei jedoch, dass jedes Mitglied die selber produzierten Songs fühle, so der Tenor in der Band. Auf diese Weise entstehe eine eher untypische Musikrichtung, da sich keiner steif auf eine Richtung fixieren möchte und auch Kompromisse eingegangen werden. Der Vorgang hinter den Songs wird dadurch zwar erschwert, dafür aber auch ausgereifter, was zu einem umso besseren Ergebnis führt. «Es ist eigentlich eine direkte Demokratie», erklärt Marcel, der Bassist. 

Die Songs – bisher sind es sieben – entstehen spontan. «Zu Beginn ist es noch ein wilder Jam», sagt Luis, einer der beiden Gitarristen. Sobald es ihnen gefällt, kommt eine zweite Stimme dazu, der Bass, das Drum und der Sänger schreibt simultan dazu seine Texte, die er übrigens oft auch zu Rap-Beats verfasst. «Aufgrund der ähnlichen Rhythmen funktioniert das», erklärt Yannick. Da und dort wird etwas angepasst, bis sich aus dem impulsiven Freestyle ein ganzer Song entwickelt. Während des Vorgangs sei nichts erzwungen und oft entstehe ein Lied mitten in der Probe eines anderen Songs. Dazu sei ein absoluter Einklang unter den Mitgliedern notwendig. Ihren Stil beschreiben sie als «gekonnten Schlag in die Fresse». Die Texte stehen der Gesellschaft kritisch gegenüber und hinterfragen unter anderem politische und soziale Strukturen. Beispiele dafür sind die Lieder «Question of life», «Effacement» oder «Motherfucker».

Erster Auftritt ist gelungen

Zunächst möchte die fünfköpfige Band schauen, wie die Musik bei den Leuten ankommt. Deshalb nahm Insidevil am Musikcontest Bandxost in Rorschach teil. Obwohl Zuschauer physisch nicht anwesend sein durften, sieht die Band viele positive Aspekte am Auftritt. «Beim ersten Auftritt war es wichtig, zeigen zu können, in welche Richtung unser Stil geht», sagt Gitarrist Marco. Man könne es als einen «melodischen NU-Metal Crossover» verstehen. Auch wenn Insidevil das Finale nicht erreicht hat, sind die Bandmitglieder zufrieden. Das Jury- und Publikumsfeedback sei sehr gut gewesen, auch der Überraschungseffekt war vorhanden. Die Band hat nämlich noch keine Lieder veröffentlicht und war den meisten Zuschauer noch nicht bekannt. Dass der Auftritt live auf Youtube übertragen wurde, brachte weitere Vorteile mit sich. So war das Konzert leicht zugänglich für alle Interessierten.

«Wir wollen etwas eigenes erschaffen»
Als nächstes will die Band weitere Songs produzieren und aufnehmen. Natürlich hoffen die Mitglieder, bald vor Publikum aufzutreten und sich etwas Geld für ein zukünftiges Album zu erspielen. Noch wurden keine Songs veröffentlicht, doch das Ziel für nächstes Jahr sei es, erste EP’s auf Plattformen wie Spotify oder Youtube zu veröffentlichen. Vor Experimenten scheut sich Insidevil nicht. Wie wär es mit einem DJ in der Band? Ebenfalls wird die Suche nach einem zweiten Sänger für höhere Schreie diskutiert. «Wir sind noch ganz am Anfang und versuchen etwas Eigenes zu erschaffen, das es in dieser Art vielleicht noch gar nicht gibt.»

Die fünf Bandmitglieder möchten die Metalmusik verstärkt in die heutige Jugendkultur einbringen. Die Musikrichtung sei aufgrund ziemlich einseitiger Musiktrends und einer stark kommerzialisierten Branche nicht mehr so beliebt, wie sie es schon war. Das Ziel sei, die Diversität der Musikkultur zu fördern. Insidevil hofft mit NU-Metal - ein Stil, der in den 90ern während des Crossoverbooms entstand - auch Fans anderer Genres unter einen musikalischen Hut zu bringen.

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