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  • Um die 3500 Kilogramm Trauben müssen gelesen werden. Etliche Male wird die Butte dabei geleert.
    Um die 3500 Kilogramm Trauben müssen gelesen werden. Etliche Male wird die Butte dabei geleert. (Carmen Bauer)
  • Die Riesling-Sylvaner-Trauben wachsen auf 610 Metern über Meer auf dem Rebberg Katzenmoos.
    Die Riesling-Sylvaner-Trauben wachsen auf 610 Metern über Meer auf dem Rebberg Katzenmoos.
  • Um die 3500 Kilogramm Trauben müssen gelesen werden. Etliche Male wird die Butte dabei geleert.
  • Die Riesling-Sylvaner-Trauben wachsen auf 610 Metern über Meer auf dem Rebberg Katzenmoos.

Innerrhoder Tropfen vom Katzenmoos

Carmen Bauer Kommentare

Der Rebberg Katzenmoos ist der einzige in Appenzell Innerrhoden. Etwa 3500 Kilogramm Trauben werden dort gelesen. Daraus entsteht in einem komplexen Verfahren der «Innerrhoder Wy», der im Frühling in die Flaschen gefüllt wird.

BÜRISWILEN/BERNECK. Im Weiler Büriswilen liegt der Rebberg Katzenmoos. Es ist der einzige Innerrhoder Rebberg und wird von der Schmid Wetli AG bewirtschaftet. 65 Aren fasst der Rebberg. «Für die Ernte der Trauben benötigen wir einen Tag», sagt Matthias Wetli. Der gelernte Winzer koordiniert die Traubenlese auf dem Rebberg Katzenmoos zusammen mit Lukas Fürst, dem Rebmeister der Schmid Wetli AG. Die Aussage von Wetli scheint gewagt, gilt es doch um die 3500 Kilogramm Riesling-Sylvaner-Trauben zu ernten. Schaut man dem 20-köpfigen Einsatzteam jedoch zu, wird schnell klar: Das Ziel ist realistisch angesetzt.

Routiniert schneiden die «Wimmer» die Trauben von den Stöcken und sortieren die schlechten Trauben aus. «Viele Helfer kommen seit Jahren und nehmen sich für das extra Ferien», so Wetli. «Einige kennen uns schon seit unserer Jugendzeit.» Mit «uns» meint er sich und seine drei Brüder. Die Eltern von Matthias betreiben das Weingut Schmid Wetli AG. Matthias Welti arbeitet seit 2013 im Familienbetrieb, sein älterer Bruder Kaspar jun. seit 2011. Die Kontinuität bei den Wimmern sei ihnen wichtig. So könnten sie sich auf die Arbeiter verlassen und sie selbständig arbeiten lassen. Durch die Handernte und die erfahrenen Wimmer werde die Qualität der Traubenlese sichergestellt. Denn: «Die Lese mit Erntemaschinen ist in unseren Steillagen nicht möglich und qualitativ nicht genügend», so Wetli.

Geringe Verluste

Dieses Jahr ist ein sorgfältiges Wimmen noch wichtiger. Die japanische Kirschessigfliege macht nämlich auch vor den Trauben nicht Halt. Glücklicherweise sei der Befall nicht so schwerwiegend und betreffe mehrheitlich die roten Trauben. Matthias Wetli rechnet daher mit geringen Verlusten. Trotzdem sieht man etliche angestochene Trauben auf dem Boden liegen. «Die befallenen Trauben würden dem Menschen gesundheitlich zwar nicht schaden, verfälschen aber den Geschmack des Weins», erklärt Wetli. Deshalb müssten sie aussortiert werden.

Die gelesenen Trauben werden in die Weinkellerei nach Berneck gebracht. Dort übernimmt Kaspar Wetli jun. das Zepter. Er ist Önologe und für die Vinifikation zuständig, also für den Vorgang, bei dem die Trauben zu Wein werden. Die Riesling-Sylvaner-Trauben, aus denen später der «Innerrhoder Wy» heranreift, werden zuerst mit der Abbeermaschine vom Stiel gelöst. Dabei werden zugleich weitere angestochene Trauben aufgestöbert und aussortiert. Eine nachgelagerte Traubenquetsche führt dazu, dass der Saft beim anschliessenden Pressvorgang besser aus der Beere gelöst werden kann. Anschliessend werden die Trauben gepresst. «Je nach Traube und Pressintensität dauert der Vorgang eineinhalb bis zweieinhalb Stunden», erklärt Matthias Wetli. Die weissen Trauben würden meist bei niedriger Intensität gepresst. Dadurch werden weniger negative Inhaltsstoffe, wie Bitterstoffe, aus den Trauben gelöst. Das Resultat des Pressvorgangs ist ein trüber Most – Traubensaft. Da sich darin aber noch Beerenhäute, Kerne und andere feste Rückstände befinden, wird der Most während acht bis zwölf Stunden geklärt. Der Trub setzt sich. Zehn bis zwanzig Prozent seien das, erklärt Matthias Wetli.

Edelstahltank statt Holzfass

Der klare Saft wird darauf in Edelstahltanks abgefüllt und mit Reinhefe geimpft. «Wir vergären die Weissweine ausnahmslos in Edelstahltanks, um die Fruchtigkeit der Weine zu erhalten», erklärt Matthias Wetli. Holzfässer würden dem Wein eine andere Aromatik verleihen. Auf 16 Grad heruntergekühlt, verwandelt die Hefe den Zucker in Alkohol. Die Unterschiede sind deutlich spürbar. Zu Beginn ist der Saft noch sehr süss, schmeckt ähnlich wie Sauser. Mit der Zeit kommt der typische Weingeschmack immer stärker zum Vorschein.

Erst im Frühling auf dem Markt

«Wir degustieren die Weine während der Gärung täglich», so Matthias Wetli. Somit könne die Qualität überprüft werden und mögliche Fehlentwicklungen vermieden werden. Jeweils am Morgen macht sich ein Verkoster-Team auf und beurteilt den jungen Wein in Nase und Gaumen. Morgens seien die Geschmacksknospen im Mund noch frisch. Anschliessend spucken sie den gärenden Saft wieder aus. «Nach 20 verschiedenen Proben wäre sonst niemand mehr in der Lage, zu arbeiten.» Der «Innerrhoder Wy» gärt zwischen einer Woche und zehn Tagen. Danach setzt sich die Hefe ab, und der Jungwein kann abgezogen werden. Fertig ist der Wein aber noch nicht, sondern er bedarf weiterer Pflege. Am Schluss bleiben noch etwa 75 Prozent des Startgewichts übrig. «Aus einem Kilogramm Trauben gibt es ungefähr eine Flasche Wein», so Matthias Wetli. Im März/April des nächsten Jahres kommt der fertige Weisswein in die Flaschen. Für den «Innerrhoder Wy», Jahrgang 2014, müssen sich die Konsumenten also noch etwas gedulden.

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