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  • Markus verbringt seine Freizeit am liebsten in den Bergen.
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  • Bereits mit 18 Jahren bestieg er den Mont Blanc.
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«Ich möchte alle 4000er der Alpen erklimmen»

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Markus bestieg bereits hunderte von Berggipfeln. 16 davon waren 4000er. Der 20-jährige ergreift jede Möglichkeit, in die Berge zu fahren. Zum Zeitpunkt des Interviews befand er sich in Saas-Fee im Wallis und kam gerade zurück von einer weiteren Tour.

Name: Markus Alter: 20 Wohnort: Altstätten Beruf: Schüler an der Kantonsschule

Wie oft gehst du deinem Hobby nach?
Eigentlich immer, wenn das Wetter gut ist und ich Zeit finde. Letzten Frühling war ich beispielsweise jedes Wochenende in den Bergen. Während den Ferien praktisch jeden Tag. Meistens fahre ich dafür ins Wallis, wo ich mehrere Berge nacheinander besteigen kann.

Seit wann begeisterst du dich für den Alpinismus?
Bereits als Kind war ich fast an jedem schönen Wochenende gemeinsam mit meinem Vater in den Bergen. Wir machten Bergtouren in der Region, doch ich wollte immer höher hinauf. Als ich älter wurde, flachte meine Begeisterung etwas ab. Doch seit ein paar Jahren hat mich das Bergsteigen wieder gepackt und ich stand 2018 zum ersten Mal auf einem 4000er.

Wie hast du diese Tour vorbereitet?
Beim Schweizer Alpen Club (SAC) Sektion Bern buchte ich eine geführte Hochtour auf den Alphubel im Saastal. Auf dieser Tour lernte und übte ich Grundlagen. Kurz darauf ging ich allein auf Touren und wendete mein Erlerntes an. Mit der wachsenden Erfahrung traute ich mir immer anspruchsvollere Berge zu und so plante ich eine Solo-Besteigung des Mont Blancs.

Wie hast du dafür trainiert?
Vor allem trainierte ich meine Kondition und ich habe mich gut akklimatisiert. Dafür verbrachte ich mehrere Tage vor der Tour auf der Aiguille du Midi, einer der höchsten Felsspitzen in Chamonix, auf 3842 Metern Höhe. Dort oben studierte ich die Route, las Bücher und redete mit anderen Leuten. So gewöhnte ich mich an die Höhe. Ansonsten hat man keine Chance und schafft die Besteigung von der Atmung her nicht. Das gilt auch für andere Berge: Immer akklimatisieren. Die Tour auf den Mont Blanc verlief danach einwandfrei und ich wurde zum jüngsten Schweizer, der den Berg allein bestieg.

Am liebsten gehst du allein auf Bergtouren. Wieso bevorzugst du diese Variante?
Auf diese Weise bin ich spontan und trage keine Verantwortung für eine andere Person. Allein bin ich meistens schneller und kann machen, was ich will. Wenn ich umkehren will, muss ich nicht auf jemanden achten. Ausserdem muss grosses Vertrauen zu der anderen Person bestehen. Ich kann nicht mit einer Person einen Berg besteigen, von der ich keine Ahnung habe, wie sie sich am Berg verhalten wird. 

Dieser Sport birgt ein gewisses Risiko. Macht dir das manchmal Angst?
Nicht wirklich. Ich konnte bereits viele Erfahrungen sammeln und kann das Risiko mittlerweile gut einschätzen. Ich informiere mich über die Route, spreche mit Bergführern oder anderen Bergsteigern, die gerade vom Berg runterkommen. Im Notfall lautet für mich die Devise: Umkehren und ein anderes Mal wieder kommen, anstatt nie mehr irgendetwas zu machen.

Bist du schon an deine Grenzen gestossen?
Ja, letztes Jahr im April. Damals wollte ich das Strahlhorn (4190 m) in Saas Fee erklimmen. Das ist eigentlich ein easy Aufstieg und man kann danach super mit den Skis wieder runterfahren. Ich wollte damals die erste Seilbahn um 8 Uhr nehmen, um ein paar Höhenmeter zu sparen. Dementsprechend war ich spät dran. Auf dem Gletscher prallte die Sonne runter, ich schwitzte stark und war auch nicht genug akklimatisiert. Auf dem Adlerpass legte ich eine Pause ein, um etwas zu essen und trinken. Als ich wieder aufstehen wollte, klappte mein Kreislauf zusammen. Ich konnte meine Arme nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen. Zum Glück waren andere Bergsteiger in der Nähe, die mir geholfen haben. Ich konnte andeuten, dass ich Traubenzucker im Rucksack habe, den sie mir reichten. So konnte ich meinen Kreislauf etwas stabilisieren. Danach zog ich sofort meine Ski an und fuhr zurück ins Tal. Diese Erfahrung lehrte mich, vorsichtiger zu werden. Diesen Winter werde ich die Tour auf jeden Fall, mit besserer Vorbereitung, nochmal probieren.

Was gefällt dir an diesem Sport?
Es ist ein perfekter Ausgleich zum Alltag. Beim Klettern und Bergsteigen vergesse ich alle Probleme. Dort ist nur der nächste Griff, der nächste Schritt wichtig – das Konzentrationslevel ist enorm hoch. Touren ist zwar körperlich anstrengend, jedoch Erholung für den Kopf.

Hast du dir weitere Ziele gesetzt?
Mein wichtigstes Ziel ist Spass zu haben. Gerne möchte ich alle 4000er der Alpen erklimmen. Bei 82 Gipfeln bin ich wohl noch eine Weile beschäftigt. Zudem würde ich gerne in den Anden eine Tour machen. Beispielsweise auf den Alpamayo in Peru, der 5947 Meter hoch ist. Klassiker wie den Mount Everest interessieren mich nicht wirklich. Ich liebe es, wenn ich einen Berg ohne Hilfe und allein besteigen kann.

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