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(Keystone/Michel Canonica)

«Ich hatte noch nie solche Angst»

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Laura verbrachte den Abend am Karfreitag inmitten der Krawalle in St.Gallen. Was mit Partystimmung begann, entwickelte sich zu einem Albtraum.

«Ich bin nicht stolz darauf, dass ich dort war», sagt Laura* und möchte deshalb anonym bleiben. Über eine Snapchat-Story hat die Rheintalerin erfahren, was an jenem Abend in St.Gallen abgehen soll und entschied sich spontan, hinzugehen. «Ehrlich gesagt war es zu Beginn ein sehr schöner Abend. Coole Stimmung, es lief Musik und ich kannte viele Menschen», erzählt die 20-jährige. «Es war gut, wieder einmal unter Leuten zu sein.» Gezündete Feuerwerkkörper, gemeinsames A.C.A.B. (all cops are bastards) schreien – es sei immer etwas gelaufen. Die anwesenden Polizisten tolerierten die Veranstaltung, obwohl die Corona-Vorschriften nicht eingehalten wurden.

Nach 21 Uhr kippte die Stimmung. «Die Polizisten wurden beleidigt, bespuckt und mit Molotow-Cocktails beworfen, bis sie Verstärkung holen mussten», sagt Laura. «Verschiedene Leute prügelten sich. Ich habe fast geweint, weil ich die Situation so schlimm fand.» Sie rannte mit ihren Kollegen weg, doch in den Gassen war Tränengas verteilt. «Ich habe so etwas noch nie gefühlt und wäre fast umgekippt. Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst und wollte nur noch nach Hause.» In der ganzen Stadt sah sie Leute herumrennen und randalieren. Nicht nur Jugendliche – Menschen zwischen 13 und 50 Jahren waren beteiligt.

Daheim angekommen, war Laura voller Emotionen und musste das Erlebte erst verarbeiten. «So etwas möchte ich nie mehr fühlen. Diese Wut der Menschen und ihr Drang, jemanden zu verletzen oder etwas kaputt zu machen, finde ich schrecklich.» Wenn sie davon erzählt, ist sie immer noch aufgewühlt. «Ich denke, diese Krawalle bewirken überhaupt nichts. Eine Demo, um zu zeigen, dass wir unsere Jugend zurückbekommen wollen und dabei etwas Party machen,  fände ich völlig okay. Aber es darf nicht in Gewalt und Zerstörung ausarten.»

*Name von der Redaktion geändert

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