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Philipp Gubler hat gute Erinnerungen an Hawaii, weil es ihm 2013 optimal lief.
Philipp Gubler hat gute Erinnerungen an Hawaii, weil es ihm 2013 optimal lief. (pd)

«Ich bin hungrig»

Raffael Zanoni Kommentare

Kommenden Samstag startet der Eichberger Philipp Gubler an der Ironman-WM in Hawaii. Der 34-Jährige fühlt sich «optimal vorbereitet» und peilt bei seiner dritten Teilnahme eine Zeit von neun Stunden an.

TRIATHLON. Mit einem Lächeln erinnert sich Philipp Gubler an seine Ironman-Teilnahme im Jahr 2013: «Es war mein Rennen», resümiert der Triathlet. Damit meint Gubler, dass er sowohl beim Schwimmen (3,8 km), auf dem Rad (180 km) sowie beim Laufen (42,2 km) nahe an seine persönlichen Bestmarken kam. Nach insgesamt 9:07:11 Stunden beendete er den prestigeträchtigsten Triathlon-Wettbewerb der Welt.

Aus Fehlern gelernt

Es wird nicht einfach, diese Leistung zwei Jahre später zu verbessern. Und dennoch: Gubler fühlt sich derzeit «um Welten besser» als damals.

Seit Oktober 2013 hat der Rheintaler viele Ernstkämpfe bestritten und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Unter anderem hat Gubler zwei Ironman-Rennen in Mallorca und Texas absolviert. Hinzu kamen weitere Ironman-70.3-Wettbewerbe, wo die Teilnehmenden jeweils die halben Distanzen schwimmen (1,9 km), radeln (90 km) und laufen (21,1 km). Den letzten «Halb-Ironman» bestritt Philipp Gubler am 30. August. Das Rennen in Zell am See (Ö) war gleichzeitig die Weltmeisterschaft 2015. Eine würdige Hauptprobe für die Ironman-WM am 10. Oktober, bei welcher der 34-Jährige Lehrgeld bezahlte: Im Gedränge auf der Radstrecke beging Gubler nach eigenen Angaben einen «Anfängerfehler», und vergass in der Hektik, ausreichend zu trinken. Beim abschliessenden Halbmarathon wurde ihm das zum Verhängnis. Der Eichberger blieb deutlich unter seinen Erwartungen. Solche Unkonzentriertheiten sind ärgerlich. Andererseits dürfte Philipp Gubler dieser Fehler in Hawaii nicht noch einmal passieren. «Zumal auf der doppelt so langen Radstrecke genügend Platz vorhanden ist», meint der Triathlet mit einem Augenzwinkern.

Der ambitionierte Amateur

Neben der nötigen Wettkampf-Praxis verfügt der Eichberger auch über ausreichend Trainingskilometer. Zuletzt hat Gubler rund 30 Stunden pro Woche trainiert. Das neben seinem Beruf, wo er sich die Präsenzzeiten glücklicherweise frei einteilen kann. Trotz hoher Intensität ist Philipp Gubler kein Triathlon-Profi. Dafür müsste er beim nationalen Verband – Swiss Triathlon – eine Profi-Lizenz beantragen. Er unterläge dann dem komplexen Ranking-System der Internationalen Triathlon Union, was auch Nachteile mit sich bringt: «Je nach Altersklasse ist es für junge Profi-Athleten sehr schwierig, sich beispielsweise für die Ironman-WM in Hawaii zu qualifizieren». Unter anderem deshalb sei Triathlon-Profi derzeit keine Option; final festlegen will sich Gubler aber nicht. Insofern könnte man den Eichberger als ambitionierten Amateur bezeichnen. Statt über Punkte müssen sich Nicht-Profis an einem Ironman-Wettbewerb rund um den Globus für Hawaii qualifizieren. Das gelang Gubler im Mai in Texas, wo er Dritter seiner Altersklasse wurde.

Spezieller Rhythmus

Seit Mitte letzter Woche befindet sich der Rheintaler wieder in den USA. Allerdings nicht auf dem Festland in Texas, sondern rund 6000 Kilometer westlich auf der Insel Hawaii. Die Zeitverschiebung beträgt zu Schweizer Sommerzeit exakt zwölf Stunden. Deshalb braucht Philipp Gubler die zehn Tage vor dem Rennen, um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Ferienstimmung kommt trotz Ferieninsel nicht auf: Da Gubler am kommenden Samstag um 3.30 Uhr Ortszeit aufsteht, verlässt er auch in den Tagen davor spätestens um 6 Uhr sein Bett. Auch das Training geht weiter. Allerdings mit verringerter Intensität: «Ich will meinen Körper nicht unnötig stressen», erklärt Gubler. So hat der Eichberger letztes Wochenende vor Ort noch einmal lange Läufe von insgesamt zwei Stunden täglich absolviert.

Trainieren bis zum Schluss

Dieses Woche folgen letzte Einheiten in allen Sportarten. Und selbst am Freitag plant Philipp Gubler, noch einmal 40 Minuten auf das Rad zu steigen und ein bis zwei Kilometer zu schwimmen: «Ich kann am Vortag nicht einfach ruhen. Leichte Einheiten geben mir ein besseres Körpergefühl.» Sollte dieser Plan nicht aufgehen, ist in Hawaii derzeit auch Gublers Trainer Jo Spindler vor Ort. Der Übungsleiter kümmert sich jedoch um eine andere Athletin, und lässt Philipp Gubler viele Freiheiten, was der Eichberger schätzt. Und da auch Freundin Lisa – selbst passionierte und ambitionierte Sportlerin – dieses Mal nicht dabei ist, konzentriert sich der Eichberger nur auf sich selbst. Das ist nötig, um am Samstag Übermenschliches zu leisten. Denn wenn die Rheintalerinnen und Rheintaler um 18.55 Uhr zu Abend essen, stürzt sich der Eichberger Philipp Gubler am anderen Ende der Welt ins Meer. Das mit dem Ziel, die folgenden Strapazen neun Stunden später ausgestanden zu haben.