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Severin Lees von der Hochschule für Technik Rapperswil (kniend) erläutert am Modell den Aus- und Überlauf des Kiessammlers in der «Schlossbrugg», Berneck.
Severin Lees von der Hochschule für Technik Rapperswil (kniend) erläutert am Modell den Aus- und Überlauf des Kiessammlers in der «Schlossbrugg», Berneck. (René Schelling)

Hochwassermodell beeindruckt

René Schelling Kommentare

Rund 80 interessierte Einwohner von Au und Berneck besuchten am Samstag die Hochschule für Technik Rapperswil und besichtigten dort das Versuchsmodell über die geplanten Hochwasserschutzmassnahmen «Schlossbrugg».

AU/BERNECK. Der Einladung der Hochwasserschutz-Kommission der Gemeinden Au und Berneck folgten rund 80 Personen. Christian Siegrist, Bernecker Gemeinderat, begrüsste die Teilnehmenden vor der gemeinsamen Carfahrt. Anwesend waren auch die vier Kandidierenden für das Gemeindepräsidium Berneck.

In Rapperswil informierte der Auer Gemeindepräsident Christian Sepin die Gäste über die jahrhundertealte Zusammenarbeit der Gemeinden Au und Berneck und sagte: «Nur gemeinsam lässt sich das Hochwasserproblem lösen.»

Weitere Massnahmen nötig

Reto Walser, beauftragter Ingenieur des Büros Bänziger Partner AG, informierte über die bisherigen Arbeiten. Zur Erhöhung der Hochwassersicherheit ist der Kiessammler Schlossbrücke ausgebaut worden. Eine wesentliche Verbesserung brachte auch die Erstellung des Holz- und Geschieberückhalts Dürrenbommert. Weitere künftige Massnahmen sind eine Erhöhung der Durchflusskapazität und der Rückhalt von Wasser. Als Rückhalteraum ist das Gebiet Kloteren/Emseren vorgesehen. Schwachstellen sind auch praktisch alle Brücken am Littenbach.

Warum hydraulisches Modell?

Professor Jürg Speerli von der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) informierte über die ursprünglich drei Varianten zur Hochwasserentlastung. Mit den heutigen Computerprogrammen lassen sich Hochwasser und ihre Auswirkungen simulieren und bildlich darstellen. Bei schwierigen hydraulischen Abflussverhältnissen und komplexen Strömungsverhältnissen ist es aber auch heute noch sinnvoll, Modellversuche durchzuführen.

Eindrückliches Modell

Bei einer ersten Variante war nach dem – vergrösserten – Durchlass in der «Schlossbrugg» ein seitlicher Überlauf und die Ableitung des Wassers in einem gedeckten Kanal in der Gemperen- und Kloterenstrasse mit Auslass in das Gebiet Kloteren vorgesehen. Die Versuche zeigten, dass ein gedeckter Kanal bzw. ein Dücker nicht die optimale Lösung ist. Die nun im Modell gestaltete Variante beinhaltet einen offenen Kanal westlich des Trottoirs mit einer Unterquerung der Staatsstrasse und Verbindung zum Hinterburgbach. Anschliessend wird das Wasser in das Gebiet Kloteren/Emseren ausgeleitet. Severin Lees von der HSR führte das im Massstab 1:30 erstellte Modell vor. Es war eindrücklich, die Strömungen bei verschiedenen Wassermengen und das Verhalten des Geschiebes und von Holzstücken mit Verklausungen zu beobachten. Aus den Modellversuchen ergeben sich für die weitere Planung und den späteren Bau wertvolle Erkenntnisse.

«Der Littenbach kommt!»

Besonders gut kam der 20-minütige Film von Peter Sonderegger über das Hochwasserereignis 2014, ergänzt mit Aufnahmen der früheren Hochwasser 1998 und 2002, beim interessierten Publikum an. Als Anwohner des Holz- und Geschieberückhalts Dürrenbommert sind ihm eindrückliche Aufnahmen gelungen. Die zerstörerische Wucht der Wassermassen war fast hautnah zu spüren. Eingebettet waren die Interviews mit den früheren Feuerwehrkommandanten Christian Siegrist und Urs Castellazzi, der Vizepräsidentin des Gemeinderates Berneck, Margrit Wellinger, sowie allgemeine Erklärungen zum Littenbach/Aecheli-Unternehmen Au-Berneck.

Der Anlass war für die Teilnehmenden interessant und gut organisiert. Der Schutz vor Hochwasserereignissen wird die Gemeinden Au und Berneck noch länger beschäftigen und grosse finanzielle Mittel in zweistelliger Millionenhöhe erfordern. Es müssen aber noch weitere Abklärungen und Berechnungen getroffen werden. Besonders untersucht werden müssen noch die Auswirkungen der Ablagerung von Feinsediment mit Tonanteil auf den landwirtschaftlichen Böden und die Entschädigungsfrage.

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