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Guetzli für Ecuador

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Schülerinnen und Schüler gehen nicht jeden Tag gleich gerne zur Schule. Aber meistens, wenn «Fürs Leben lernen» angesagt ist, steigt die Motivation enorm. So auch bei den Klassen 1Fa, 1Fb, 2Sae, 3Sae, 3Fa, 3Fb, 4Sae und 4FP, wenn es darum geht, mehreren Kindern einer kleinen Schule im Norden Quitos in Ecuador ein Schuljahr mit dem Backen und Verkaufen von Guetzli zu ermöglichen. Da werden Listen erstellt, wer was backt, wer am Samstag Zeit opfert und verkauft und wer das Poster macht oder einen Tisch organisieren kann. Die Lehrpersonen Amann und Staffelbach holen inzwischen Genehmigungen vom Einkaufszentrum ein. Sie bitten um aktuelle Fotos der «Patenkinder», für die gesammelt werden soll, und helfen mit Tisch oder Flipchart aus, wo dies gebraucht wird. Anfang Dezember galt es ernst: die Schülerinnen und Schüler – wahrscheinlich auch einige Mütter oder Grossmütter – backten ungefähr ein Kilo Guetzli. Bei 25 Schülerinnen und Schülern in einer grösseren Klasse kommt da schon einiges zusammen. Und auch beim Verkauf und den Spenden kommt einiges zusammen. Ein Schuljahr in der Schule Jailuba in Carampunga im Norden Quitos kostet etwa 650 Franken. Die acht Klassen zusammen könnten dieses Jahr bis zu 10 Schülerinnen und Schülern – vor allem kleineren – ein ganzes Schuljahr ermöglichen: Schulgeld, Lehrmittel und Aktivitäten. Seit zehn Jahren unterstützen einige Spanischklassen und seit drei Jahren auch Englischklassen der KSH ihre «Patenkinder». Was bringt es ihnen? Sie erleben Solidarität und setzten sich aktiv für andere ein. Sie entdecken eine neue Welt, in der manche Kinder um den Preis eines besseren Natels ein ganzes Jahr zur Schule gehen können. Sie sacken einmal im Jahr statt Vokablen Guetzli ein und einige lernen sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, eine Idee unter die Mitmenschen zu bringen. Und: nach einiger Zeit schreiben die Kinder aus Ecuador auf Spanisch und aus Dankbarkeit. Für die ganz Kleinen schreibt manchmal die Mutter oder die Lehrerin. Und die Klasse schreibt zurück, auf Spanisch, natürlich. Und die Profes kennen die Schule persönlich. Kein Rappen geht vom Gesammelten verloren. Non scholae sed vitae discimus. Am Samstag, 1. Dezember, war die 1Fa schon voll im Einsatz und hat mit Gesangs- und Tanzeinlagen in weniger als vier Stunden 160 Säckli mit Guetzli und ca. 20 Weihnachtsmuffins an Mann und Frau gebracht und dabei viel Spass gehabt. (pd)