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Thomas Bucher gab sein Bestes, um die Strasse für die Einsatzkräfte freizuhalten.
Thomas Bucher gab sein Bestes, um die Strasse für die Einsatzkräfte freizuhalten. (Bild: )

Grossbrand: Viele schauten zu, Autos behinderten die Feuerwehr

Gert Bruderer Kommentare

Mitten im Feierabendverkehr hatte es die Feuerwehr nicht leicht, schnell zum Brandplatz zu gelangen.

Gert Bruderer

Die Nebenstrassen, die nahe der Bahnlinie (parallel zu ihr) Marbach mit Balgach verbinden, waren nach 18 Uhr stark befahren. Es wirkte so, als wären viele absichtlich dort unterwegs gewesen, als hätten die Leute möglichst nahe an der gewaltigen Rauchsäule vorbeikommen und aus nächster Nähe sehen wollen, was da vor sich ging.

Als kurz nach halb sieben drei Tanklöschfahrzeuge von Marbach her auf der Bahnhofstrasse mit Blaulicht und Sirene zum Brand rasten, hatten sie an vielen Autos vorbeizukommen.

Nach der Agrola-Tankstelle und Waschanlage, Richtung Brandobjekt, hatte sich nach dem Ausbruch des Brandes eine Autokolonne gebildet, war die Zufahrt vorübergehend weitgehend verstopft.

Der Verkehrregler wäre fast umgefahren worden

Der einheimische Thomas Bucher streifte sich eine Leuchtweste über und machte sich daran, eine halbe Stunde nach Brandausbruch unbeirrt auf die Rauchsäule zusteuernde Autos zu stoppen und wenden zu lassen. Einmal wäre er von einem Auto beinah umgefahren worden. Und noch immer kamen Einsatzkräfte mit Blaulicht, immer wieder, auch nach sieben Uhr.

Der frühere Feuerwehrkommandant Edwin Graf betrachtete den aufsteigenden Rauch aus sicherer Distanz und dachte sofort an den Januar 1971, als in unmittelbarer Nähe bei minus 20 Grad ein Baugeschäft brannte. Es war das grösste Ereignis in Grafs zwanzigjähriger Zeit als Kommandant, auch danach dürfte kein Brand dem jüngsten vergleichbar gewesen sein. An diesem Dienstag sind es um die 30 Grad, was die Arbeit der Feuerwehr zusätzlich erschwert.

Am Strassenrand, zum Teil recht nah, waren gewiss zwei-, dreihundert Passanten versammelt. Jemand reagierte auf die spöttische Bemerkung «So, du Gaffer» mit dem Satz «Bisch jo selber do».

Ein vom Brandplatz kommender Feuerwehrmann sah sehr mitgenommen aus, erschöpft. Auf der Autodrehleiter hoch über den eine Dreiviertelstunde nach Brandausbruch immer noch lodernden Flammen gab ein weiterer Feuerwehrmann ebenfalls sein Bestes. Unten meinte ein Kollege zum Journalisten (der sein Auto beim Bahnhof gelassen hatte): «Keine Föteli.» Natürlich ist das illusorisch, bei solch einem Grossereignis, von dem sich Bilder ohnehin in Windeseile verbreiten. Der Grund für die Bitte? «Es könnte Verletzte gegeben haben.»

Tatsächlich sah das Flammenmeer genauso wie der viele Rauch bedrohlich aus, auch aus Distanz. Umso verwunderlicher, dass so viele Leute sich so nahe hinbegaben – wo doch niemand wissen konnte, ob der Brand im Industriegebiet nicht auch für sie gefährlich hätte werden können.

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