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Die Knollen sehen ein wenig aus wie Maden, sind aber rein vegan und schmecken sehr fein.
Die Knollen sehen ein wenig aus wie Maden, sind aber rein vegan und schmecken sehr fein. (Bild: Eveline Dudda)

Garten: Genuss ohne Aufwand

Eveline Dudda Kommentare

Der Knollenziest, Stachys sieboldii, auch Stachys, Chinesische Artischocke oder Japanische Kartoffel genannt, ist wenig bekannt.

Diese Pflanze kann auf dem Balkon oder der Terrasse angebaut werden. Man fin-det das speziell aussehende Gemüse selten beim Grossverteiler. Das hat einen einfachen Grund: Die Knollen sind nur sehr kurz haltbar. Sie verlieren innerhalb weniger Tage massiv an Gewicht, Aussehen und Geschmack. Nachdem sie geerntet und gewaschen sind, sollten sie spätestens am Tag darauf auf dem Tisch stehen. Dort halten sie sich meistens auch nicht lange, denn dieses Gemüse schmeckt wie eine Mischung aus Artischocken und Schwarzwurzeln, mild und nussig.

Der Anbau ist leicht, einzig die Ernte heikel. Die zarten Knöllchen sollten nicht verletzt werden. Schaufel oder Grabgabel sind deshalb tabu. Am besten erntet man von Hand. Dazu braucht man lockeren Boden. Damit man den hat, mischt man einen Teil Sand mit (Bio-)Gemüseerde aus dem Gartenfachhandel. Diese Mischung ist für ein normales Gartenbeet zu schade. Der Sand würde bald einmal ausgewaschen und die Lockerheit wäre dahin. Besser ist es, mit dieser Erdmischung einen Pflanzsack oder grossen Topf zu befüllen. Das empfiehlt sich, da Knollenziest als «Wandersmann» gern Nachbarflächen erobert. Dass Mäuse im Pflanzsack keinen Zutritt haben, ist ein weiteres Plus.

Für den Anbau selbst benötigt man nur ein Starterset mit ein oder zwei Knollen. Die Pflanzen werden etwa 40 cm hoch, haben nesselartige, raue Blätter und sind unauffällig und anspruchslos. Einen Gemüsedünger verschmäht sie nicht, er ist aber nicht unbedingt nötig. Irgendwann im Winter – den Zeitpunkt bestimmen Sie – ernten Sie. Die perlmuttfarbenen, meist fingerdicken und daumenlangen Knöllchen sind winterhart, nur das Laub stirbt ab. Lässt man bei der Ernte ein paar Wurzeln in der Erde zurück, treiben sie im Frühjahr wieder aus, setzen reichlich Knöllchen an und das Spiel beginnt neu.

Einen kleinen Makel haben die Knöllchen: Sie sind mühsam zu reinigen. Sie haben eine Menge Rillen, in denen die Erde hängen bleibt.

Auch hier bewährt sich die sandige Humusmischung: Dank des hohen Sandanteils bleibt die Erde kaum haften. Meistens ist sie schon weg, wenn man die Knöllchen zwei Stunden lang in Wasser eingelegt und danach abgespült hat. Dann folgt der Genuss!

In der Küche bereitet man Knollenziest wie Spargel zu, nur muss man die Knöllchen nicht schälen. Zum Glück, denn das wäre eine sehr mühsame Angelegenheit.

Eveline Dudda
Hinterforst

www.spriessbuerger.ch

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