rheintaler.ch

Hinterforst

Dieser Endivie trainierte schon im Oktober für den Winter, das macht ihn frosthärter.
Dieser Endivie trainierte schon im Oktober für den Winter, das macht ihn frosthärter. (Eveline Dudda)

Garten: Frosthärte ist düngbar

Eveline Dudda Kommentare

Pflanzen müssen sich an ihre Umgebung gewöhnen. So auch an Kälte. Sie können nicht davonlaufen und sich ein wärmeres Quartier suchen. Aus der Forschung weiss man, dass die Frosthärte trainiert werden kann. Im Idealfall werden die Pflanzen im Herbst mit kühlen Temperaturen (über null Grad) und leich-tem Frost auf die Kälteperiode vorbereitet. Danach bleibt die Frosthärte im Winter stabil, gegen Ende Winter baut sie sich wieder ab.

Trotzdem kommt es selbst bei winterharten Pflanzen wie Federkohl mitunter zu Frostschäden. Das ist nicht nur sortenbedingt. Wie ausgeprägt die Frosthärte ist, hängt auch von der Nährstoffversorgung ab. Während der Abhärtung reichern sich vor allem Zucker, aber auch Kalium in den Zellen an. Beide wirken wie Frostschutzmittel. Sie senken den Gefrierpunkt der Zelle. Kommt es trotzdem einmal zur Eisbildung, sind die Kältetrainierten in der Lage, zwischen den Zellen (man nennt das interzellulär) Eislinsen zu bilden. Frostuntrainierte Pflanzen können das nicht, sie bilden in den Zellen (intrazellulär) Eisnadeln. Sie schädigen, die Zellwände und besiegeln damit deren Schicksal. Die Eislinsenbildung ist eine geniale Erfindung der Natur: Den Zellen wird Wasser entzogen, die Zellsaftkonzentration steigt, wodurch der Gefrierpunkt der Zelle noch weiter sinkt.

Kalium spielt bei diesem Prozess eine wichtige Rolle, die Frosthärte nimmt mit steigendem Kaliumgehalt im Boden zu. Jetzt noch schnell Kali zu düngen, nützt allerdings wenig. Damit dieser Mechanismus in Gang kommt, muss das Kalium bereits vor dem ersten Kälteeinbruch in den Pflanzen sein. Die meisten können Kalium gut speichern, mit zunehmendem Alter lässt diese Fähigkeit jedoch nach. Da junge Pflanzen relativ gesehen mehr Kalium enthalten als ältere Pflanzen, sind sie besser gegen Kälte gewappnet. Das ist übrigens ein wichtiger Grund, warum man Pflanzen, die man erst im Frühling ernten will, möglichst jung in den Winter gehen lassen sollte. Ältere Pflanzen erntet man im Laufe des Winters ab. Idealerweise bevor ihr Frostschutz versagt hat.

Eveline Dudda, Hinterforst
www.spriessbuerger.ch

Folge uns: