rheintaler.ch

Es sieht zurzeit nicht für alle finanziell rosig aus.
Es sieht zurzeit nicht für alle finanziell rosig aus. (Archiv)

Finanzkolumne: Zwei Seiten der konjunkturellen Medaille

Pd Kommentare

Der blaue Brief dürfte überall auf der Welt der Schrecken jedes Arbeitnehmers sein. Mit diesem machen derzeit sehr viele Menschen unverschuldet Bekanntschaft.

Allein letzte Woche stellten in den USA fast drei Millionen Bürger einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Die Arbeitslosenquote hat mit 14,7 % den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht.

Auch in der Schweiz trifft dieser Tage viele der Verlust des Arbeitsplatzes: 153413 Personen waren es Ende April. Dennoch ist die Quote seit Anfang Jahr um gerade einmal 0,8 % gestiegen – dank der Kurzarbeit. Schlimmer als die Kündigung oder die Kurzarbeit an sich dürfte für viele Menschen der damit verbundene Einkommensverlust sein. Umfangreiche staatliche Rettungsprogramme sollen diesen abfedern, doch für den Konsum ist das ein Tropfen auf den heissen Stein: Nicht zwingend nötige Ausgaben werden verschoben oder gestrichen. Verstärkt wird der Nachfrageeinbruch von den Massnahmen zur Eindämmung des Virus.

Die Pandemie hat sich nicht nur für die Nachfrage-, sondern auch für die Angebotsseite zu einem monumentalen Schock entwickelt. Unterbrüche in den Lieferketten führen dazu, dass wichtige Roh- und Fabrikationsstoffe nicht mehr oder nur zu unerschwinglichen Preisen erhältlich sind. Viele Betriebe mussten deshalb oder wegen der einschneidenden Massnahmen ihre Produktion drosseln. Manche haben sie aus Kostengründen komplett eingestellt. Das Ergebnis ist dramatisch: Die US-Produktion schrumpfte im April gegenüber dem Vormonat um 11,2 %. Auch hierzulande sind die Produktionskapazitäten bei weitem nicht ausgelastet.

Um eine zweite Infektionswelle zu verhindern, muss die Lockerung der Massnahmen schrittweise geschehen. Auch gibt es keinen Einschaltknopf, mit dem man die Wirtschaft einfach mal so von heute auf morgen wieder rauffahren kann.

Wir erwarten daher, dass die Konjunktur nach einem trüben ersten Quartal ihren Boden erst im Sommer erreichen wird. Auf Jahressicht wird dies 2020 zu einem Rückgang der Schweizer Wirtschaftsleistung um 5 % führen. Wenn aber jeder seinen Teil beiträgt, so steht ab 2021 einer Rückkehr zu einem positiven Wachstumspfad kaum etwas im Weg.

Interessiert? Kontaktieren Sie die Experten von Raiffeisen vor Ort. Als ausgewiesene Anlagebank finden wir die passende Lösung für Sie. www.raiffeisen.ch/anlegen.

Folge uns: