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Daumen hoch, Daumen runter – Informationen aus dem Privatleben werden oft gnadenlos bewertet.
Daumen hoch, Daumen runter – Informationen aus dem Privatleben werden oft gnadenlos bewertet. (Bild: depositphotos / pdesign)

Facebook – Fiesbook – Faithbook

Christian Wermbter Kommentare

Setzt sich ein Mann abends vor dem Schlafengehen ins Ehebett und versucht mit seiner Frau, die schon im Bett liegt und an ihrem Smartphone surft, ein Gespräch zu beginnen: «Du …äh … also, ich muss dir was gestehen …!» Sie antwortet beiläufig: «Ich weiss. Es steht schon im Internet!»

Elf Millionen Facebook-Mitglieder sind frustriert und wollen sich demnächst abmelden. Sie können den Austausch von Banalitäten und die intimen Verlautbarungen in ihrem sozialen Netzwerk nicht mehr ertragen! Und diese albernen Freundschaftsanfragen. Am Ende hat man 30000 Freunde bei Facebook, aber keine in der Wirklichkeit. Und da alle nur über sich selbst schreiben, wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Nein, da wollen viele nicht mehr mitmachen.

Ein neues soziales Netzwerk, in dem Lügen keinen Platz mehr haben, wäre doch besser: Fiesbook.

Da wird nämlich nicht über sich selbst gesprochen, sondern nur über andere. Keine Freundschaft wird geheuchelt, sondern Feindschaft wird gelebt. Einfach einige Informationen aus dem Privatleben eines missliebigen Kollegen, am besten mit Foto, ins Fiesbook stellen – und die Person damit zum Feind stempeln. Und kann der andere die Informationen nicht innerhalb von 40 Minuten widerlegen, wird er mit dem Symbol «Daumen nach unten» (I hate you) festgelegt. Das Beste daran: Man hat wieder Zeit für die wirklichen Freunde, denn die Feinde hat man ja ins Fiesbook gestellt. Oder ist das doch nicht so gut?

Mit gefällt diese Alternative besser: Mal wieder ins Faithbook zu schauen! Ins Vertrauensbuch. Entweder eine gute Literatur, einen Bestseller oder einen Klassiker, mit anregenden Gedanken und aufbauendem Inhalt zu lesen. Oder in die Bibel sich zu versenken, zu meditieren und danach zu leben. Oder wieder einmal mit Freunden in der Realität zusammenzukommen und etwas zu unternehmen: Kneipenbummel, Kinobesuch, Theater, Konzert, Sport, Reisen, sich zu erzählen und zu berichten, um damit Mut und Vertrauen fürs Leben aufzubauen. Dann wird das Leben lebenswert. Im Faithbook – reales Leben.

Gerade in diesen Tagen – nach der Coronapandemie bei uns in Europa – ist es eine tolle Idee, sich dafür Zeit zu nehmen!

Christian Wermbter, Pfarrer in Rheineck

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