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«Es ist wie bei einem Dorfladen»

Astrid Zysset Und Alessia Pagani Kommentare

Reaktionen In einer ersten Stellungnahme zeigen sich die Ausserrhoder Parteien am Montag wenig überrascht über die angekündigte Schliessung des Spitals Heiden. Der Tenor: Es sei schade, aber ein notwendiger Schritt. Der Entscheid des Regierungsrats trifft nicht nur die Gemeinde Heiden, sondern die ganze Region. Eine Gemeindepräsidentin und ein Gemeindepräsident aus dem Vorderland nehmen Stellung.

Walds Gemeindepräsidentin Edith Beeler bezeichnet die angekündigte Spitalschliessung als «grossen Verlust für das gesamte Vorderland». 180 Arbeitsplätze fallen weg, zahlreiche Zulieferer sind betroffen. «Der Entscheid zieht einen ganzen Rattenschwanz an Betroffenen nach sich, welche nun mit den Auswirkungen leben müssen.»

Doch andererseits, so Beeler weiter, sei die Schliessung auch direkt auf das Handeln der Bevölkerung zurückzuführen. So habe sie schon öfters in ihrem Umfeld vernommen, dass die Klinik am Rosenberg oder die Berit Klinik bei Verletzungen aufgesucht wurde, nicht aber das Spital Heiden. «Es ist wie bei einem Dorfladen: Der Aufschrei ist gross, wenn er schliessen muss. Aber hin gehen nur die wenigsten.»

Als Arbeitnehmer direkt betroffen

Ähnlich sieht es Gino Pauletti. Der Wolfhäldler Gemeindepräsident zieht ebenfalls den Vergleich mit einem Dorfladen. «Die Bürgerinnen und Bürger brauchen unbedingt einen, wollen aber trotzdem selber entscheiden, ob sie ihn besuchen oder nicht.» Pauletti nimmt damit Bezug auf die freie Ärzte- und Spitalwahl. Fakt ist: Die Fallzahlen in Heiden waren in den vergangenen Jahren sinkend. Pauletti hat eine Schliessung des Spitals deshalb schon lange erwartet. Er sagt: «Früher oder später musste es so weit kommen. Ich bin nicht schockiert, aber für die Gemeinde Heiden wie auch für uns ist es natürlich schlecht.» Für die Wolfhäldler Bevölkerung habe das Spital Heiden einen hohen Stellenwert gehabt. «Nun werden die Wege für die Patientinnen und Patienten länger und umständlicher», so Pauletti. Wie er ausführt, sind auch Wolfhäldler als Arbeitnehmende direkt vom Entscheid betroffen. «Für die Mitarbeitenden ist es brutal und schmerzlich.» Pauletti nimmt in Bezug auf die Kündigungen vor allem den Kanton in die Pflicht. Froh ist er darüber, dass weiterhin zwei Hausärzte in Wolfhalden praktizieren werden. Er macht sich aber bereits Gedanken über die künftige Gesundheitsversorgung im Vorderland. «Wichtig ist, dass der Spitalverbund Möglichkeiten aufzeigt, wie es allgemein und auch mit der Liegenschaft weitergehen könnte. Es gäbe viele Optionen», so Pauletti. Als Beispiel nennt er etwa ein Ärztehaus.

Astrid Zysset und Alessia Pagani

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