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Widnau

  • Das Interesse am Anlass war gross, der Saal gut besetzt.
    Das Interesse am Anlass war gross, der Saal gut besetzt.
  • Roger Köppel vertritt seinen Standpunkt besonders überzeugt.
    Roger Köppel vertritt seinen Standpunkt besonders überzeugt. (mt)
  • Das Interesse am Anlass war gross, der Saal gut besetzt.
  • Roger Köppel vertritt seinen Standpunkt besonders überzeugt.

Einer gegen alle anderen

Max Tinner Kommentare

Angekündigt war ein Podium von der Qualität einer «Arena»-Diskussion des Schweizer Fernsehens. Für das Publikum wurde der Abend tatsächlich spannend. Und – man muss es so sagen – vor allem wegen einem: Roger Köppel.

Max Tinner

Die Nationalräte Roger Köppel (SVP), Doris Fiala (FDP), Kathy Riklin (CVP) und Tim Guldimann (SP) konnte man gestern live im Widebaumsaal erleben. Ebenfalls Teil der illustren Runde war der Politexperte Claude Longchamp. Der Politabend war in mehrfacher Hinsicht speziell.

Zum einen treten in unserer Gegend selten so viele Politiker dieses Formats gleichzeitig an einem öffentlichen Anlass auf. SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel hat es in die Wege geleitet. Als momentaner Präsident der aussenpolitischen Kommission hat er eine Sitzung im Tal anberaumt und mit dem Podium den Austausch der Spitzenpolitiker mit der Bevölkerung ermöglicht. Zum anderen wird an Poplitpodien im Rheintal in der Regel über etwas geredet, worüber es nächstens einmal abzustimmen gilt. Das war gestern nicht so. Denn gesprochen wurde über das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union und im Besonderen über das institutionelle Rahmenabkommen, auf das hingearbeitet wird. Irgendwann soll das Schweizer Volk zwar auch einmal darüber abstimmen. Wann, ist aber noch völlig offen. Auch wenn bereits seit drei Jahren verhandelt wird: Vorderhand steht es jedenfalls noch nicht.

Roger Köppel ist dennoch der Ansicht, dass die Schweiz mit dem Rahmenabkommen zu viel Selbstbestimmungsrecht aufgibt, wenn sie in der Folge EU-Recht nachvollziehen soll, ohne dass das Volk darüber abstimmen kann.

Tim Guldimann hielt dem entgegen, dass jetzt schon EU-Recht übernommen werde – dass die Schweiz aber stets Einsprache erheben könne, wenn ihr eine Bestimmung nicht passe, sowohl heute wie künftig.

Kathy Riklin betonte, dass die Schweiz das Rahmenabkommen brauche, damit sie am europäischen Wirtschaftsraum teilnehmen könne. «Die Alternative wäre anhaltende Unsicherheit», meinte auch Tim Guldimann.

Für Doris Fiala ergibt das Rahmenabkommen auch Sinn, weil die Schweiz die anstehenden grossen Herausforderungen allein gar nicht lösen könne: «Sie sind alle globaler Natur.»

Dass das Publikum einen extrem spannenden Podiumsabend zu sehen bekam, lag vor allem an einem: Roger Köppel. Er bespielte die Bühne wie niemand sonst auf dem Podium, und er ging von Anfang an auf Kollisionskurs mit allen andern.

Victor Rohner liess ihn dennoch gewähren. Eingreifen musste er dann allerdings doch noch – allerdings bei Doris Fiala, die sich gegen Köppel wehrte und die Schweizer Verhandlungsdelegation in Schutz nahm. Sie unterstellte Köppel, für ihn seien alle in der Delegation «Schlappschwänze» – einen vulgären Ausdruck, den Köppel in seiner Tirade gegen die Mandatare nicht in den Mund genommen hatte.

Auch wenn Entgleisungen von Politikern der Sache nicht gerade dienlich sind – fürs Publikum war es glänzende Unterhaltung. Schliesslich zählen auch im Sport nicht nur die Resultate: Am spannendsten ist dort doch ebenso, wenn es einen aus der Kurve haut. Und manche haben die Nationalräte vielleicht doch motiviert, vertiefter über das Verhältnis der Schweiz zur EU nachzudenken. Vielleicht kommen sie bis zur Abstimmung sogar zu einer anderen Meinung als sie jetzt haben. Denn momentan, meinte Claude Longchamp, hätte ein Rahmenabkommen vor dem Volk kaum eine Chance.