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Montlingen

Alois Loser (rechts) freut sich, in Claudio Senn einen Nachfolger gefunden zu haben, der das Heimatmuseum Montlingen in seinem Sinn weiterführt.
Alois Loser (rechts) freut sich, in Claudio Senn einen Nachfolger gefunden zu haben, der das Heimatmuseum Montlingen in seinem Sinn weiterführt. (Max Tinner)

Ein Lebenswerk weiterführen

Max Tinner Kommentare

20 Jahre lang leitete Alois Loser das Heimatmuseum im Schulhaus Bergli. Altershalber hat er diese Aufgabe nun weitergegeben. Neuer Leiter ist Claudio Senn, der stellvertretende Leiter des Rheinunternehmens.

MONTLINGEN. Seit 1964 kann man im Heimatmuseum Montlingen die Beweise dafür sehen, dass das Montlinger Bergli vor 3000 Jahren, zur Bronzezeit, dorfähnlich besiedelt war – und mehr noch: dass die Rheintaler bereits damals Handelsbeziehungen mit halb Europa unterhielten. Am Montlinger Bergli sind nämlich sowohl Bernsteinperlen von der Ostsee als auch Schmuck und Werkzeug aus Bronze aus dem Süden gefunden worden. Sensationeller waren aber die Keramikfunde, die belegen, dass das Montlinger Bergli von Ur-Rätern der Laugen-Melaun-Kultur, deren Zentrum man im heutigen Südtirol und Trentino vermutet, besiedelt war und damit der wohl nördlichste Aussenposten dieses Volkes war.

Im ehemaligen Sitzungszimmer

Das Heimatmuseum ist der Initiative Martin Hangartners zu verdanken. Er war Lehrer in Montlingen und auch bei einigen der wichtigsten Ausgrabungen am Montlinger Bergli dabei. Als 1962 das Bergli-Schulhaus renoviert wurde, setzte er sich für die Einrichtung des Museums im früheren Lehrer-Sitzungszimmer im Untergeschoss des Schulhauses ein. Bald schon übernahm auch Alois Loser, der ab 1951 und bis zu seiner Pensionierung Lehrer in Montlingen gewesen ist, Führungen. 1994 übernahm er dann von Hangartner die Verantwortung fürs Heimatmuseum.

Von Anfang an gehörte zu den Führungen durchs Museum auch ein Spaziergang aufs Bergli hinauf. «Erst wenn man sieht, wo die Artefakte gefunden worden sind, kann man sich vorstellen, wie das damals vor 2500 bis 3000 Jahren hier ausgesehen haben mag, wie die damaligen Montlinger gelebt haben mögen», sagt Alois Loser.

Auch eine Geschichte des Rheins

Sein Nachfolger wird es ebenso handhaben und mit den Museumsbesuchern auch aufs Bergli hinauf spazieren. Er wolle das Lebenswerk seiner Vorgänger Martin Hangartner und Alois Loser in deren Sinn weiterführen, sagt Claudio Senn. Dass der gebürtige Altstätter neuer Leiter des Museums wird, drängt sich nicht nur auf, weil er gleich neben dem Museum wohnt: Der Bauingenieur ist stellvertretender Leiter des Rheinunternehmens, das grösster Bodeneigentümer auf dem Montlinger Bergli ist. Bedeutende prähistorische Funde, die im Museum ausgestellt sind, sind denn auch auf Boden des Rheinunternehmens ausgegraben worden. Namentlich die ersten Funde überhaupt: Sie wurden von Männern entdeckt, die im früheren Steinbruch auf der Nordseite des Berglis arbeiteten. Hier wurden Steine für die Rheinverbauung abgebaut. Claudio Senn kann damit die Führungen aufs Bergli thematisch um die Geschichte der Rheinregulierung im 19. und 20. Jahrhundert erweitern.

Weiterhin eigenständig

Mit dieser Nachfolgeregelung bleibt das Montlinger Heimatmuseum eigenständig. Hätte man keinen Nachfolger für Alois Loser gefunden, wäre es wohl zwar kaum gerade aufgehoben, sondern naheliegenderweise am ehesten ins Gemeindemuseum Rothus, Oberriet, integriert worden. Es bestand in Montlingen aber einiges Interesse daran, es in der bisherigen Form weiterzuführen, wie Ortsgemeindepräsident Harald Herrsche an der Montlinger Vorversammlung vor einem Monat durchblicken liess.

Auf mehrere Schultern verteilen

Der neue Museumsleiter soll darum auch nicht die ganze Last alleine tragen müssen. Es wurde eine Kommission gebildet, die ihn unterstützen soll. Darin wird nebst der Ortsgemeinde Montlingen auch die Katholische Kirchgemeinde Montlingen-Eichenwies vertreten sein. Dies kommt nicht von ungefähr, zeigt doch das Heimatmuseum nebst den prähistorischen Fundstücken auch einige Exponate der Kirchgemeinde, beispielsweise den über 500 Jahre alten Wetterhahn, der früher auf der Montlinger Kirchturmspitze sass. Eine Besichtigung der geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten Pfarrkirche wird denn als Ergänzung zum Museumsbesuch ebenfalls empfohlen.

Für Alois Loser ist eine Abstützung des Museums auf mehrere Personen aber nicht nur als Verteilung der Arbeitslast sinnvoll. «Hängt das Wissen nur an einer Person, besteht Gefahr, dass es verloren geht – das darf nicht sein», betont er, «es ist wichtig, das Wissen über unsere Herkunft nächsten Generationen weiterzugeben.»

Das Heimatmuseum kann nach Anmeldung via Telefon 071 766 25 16 (abends) oder per E-Mail an claudio.senn@rheinunternehmen.ch besichtigt werden.

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