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Der Kammerchor des internationalen Studienzentrums der Universität Heidelberg sang im September 2021 unter der Leitung von Franz Wassermann.
Der Kammerchor des internationalen Studienzentrums der Universität Heidelberg sang im September 2021 unter der Leitung von Franz Wassermann. (Bilder: pd)

Kultureller Leuchtturm erlischt

Max Pflüger Kommentare

Der Verein «Kirche und Kultur – Kultur in der Kirche Wolfhalden» hat sich nach dem Neujahrskonzert aufgelöst.

Max Pflüger

Ende Jahr erschütterte eine unerwartete Meldung das kulturelle Leben im Vorderland: Es hiess, der Verein KuKKiK – «Kirche und Kultur – Kultur in der Kirche Wolfhalden» werde aufgrund der jetzigen Lage mit Pandemieauflagen, Besucherschwund und daraus resultierenden Schwierigkeiten aufgelöst. 2015 hatte eine kleine Gruppe Kulturinteressierter den Verein gegründet, mit dem Ziel, die Kirche nach der Renovation nicht nur für kirchliche, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Die Gruppe schreibt: «Dank grosszügiger Unterstützungen waren wir in der Lage, anspruchsvolle und hochstehende musikalische Leckerbissen ohne Eintrittspreis anbieten zu können: 38 Konzerte waren es mit knapp 6000 Besuchern.Die Verantwortlichen von KuKKiK blicken auf eine gute Zeit zurück. In Erinnerung bleiben Anlässe wie das Kantikonzert im Kerzenlicht, weil der Strom ausgefallen ist, der fröhliche Abend in der «Harmonie» und viele Gespräche nach den Konzerten.

Defizite aus der eigenen Tasche bezahlt

Gegründet haben den Verein 2015 Pfarrer Andreas Ennulat, Brigitt Mettler (Heiden), Anke und Oskar Rommel (Wolfhalden) und Peter Weber (Wolfhalden). Ennulat kam Ende 1999 nach Wolfhalden und war von 2000 bis Ende 2021 Pfarrer. Er sei bereits früh kulturaffin und schon beim ersten Besuch von der Kirche Wolfhalden begeistert gewesen. Der grosszügige Raum und die hervorragende Akustik hätten ihn überzeugt. Schon bald organisierte er hier erste kulturelle Anlässe; Lesungen, Konzerte, Kunstausstellungen und mehr.

Von Anfang an konnten die Angebote ohne Eintritt besucht werden. Die Ausgaben bestritt Ennulat aus freiwilligen Kollekten, die unvermeidlichen Defizite deckte er aus der eigenen Tasche. Er hatte mit dem Angebot Erfolg, aber dennoch konnte die private Finanzierung nicht zum Dauerzustand werden. Die mit den steigenden Anforderungen an die Qualität wachsenden Künstlergagen und die zunehmende Anzahl Veranstaltungen blieben für eine Einzelperson nicht tragbar. Die Lösung der finanziellen Sicherung der Anlässe fand sich in der Beanspruchung öffentlicher Gelder und der Unterstützung durch Stiftungen. Beides ist für Privatpersonen kaum oder nur in geringem Umfang möglich. Die Überführung in einen Verein wurde nötig.

Kirche bot für Kultur ideale Voraussetzungen

Der politisch unabhängige und konfessionell neutrale Verein gründete sich am 22. Juni 2015. Nach Andreas Ennulats Vorstellung sollten alle Anlässe gratis angeboten werden, da Kultur ein allgemeines Gut sei und unabhängig von persönlichen finanziellen Umständen genossen werden müsse. Dies gelang – und die Kirche bot die besten Voraussetzungen dafür. Bei der Renovation 2010/11 wurden die Kirchenbänke im vorderen Teil entfernt und so Raum für Aufführende, Chor oder Orchester, Theaterbühne und Tanzfläche geschaffen, was die Weiterführung der Projekte wesentlich erleichterte.

Dass Ennulat nun aufhört, hat verschiedene Ursachen. Zuerst führte Covid in den letzten zwei Jahren zu vielen Absagen von Anlässen und verursachte mit ständig ändernden Schutzmassnahmen ungenügende Planungssicherheit. Mit Corona war auch der Besucherrückgang spürbar. Und Künstler vor halb leeren Rängen auftreten zu lassen, ist nicht Ennulats Sache. Der Vereinsvorstand meint, dies sei respektlos gegenüber renommierten Künstlern.

Weiter wurde der Pfarrer Ende 2020 pensioniert. Die enge Verbindung mit der evangelischen Kirche und das umfassende Wissen über deren Bedürfnisse fehlten Ennulat nun und erschwerten die Kommunikation und die Planung ausserkirchlicher Anlässe.

Ein Nachfolger für sein Engagement in KuKKiK ist nicht in Sicht. Für den Vorstand des Vereins kam daher nur in Frage: «Aufhören, solange es noch schön ist!»

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