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Oberegg

Zur Zeit des Mordes an Serviertochter Ursula W. präsentierte sich das «Rössli» auf dem St. Anton als überaus verwinkeltes Gebäude.
Zur Zeit des Mordes an Serviertochter Ursula W. präsentierte sich das «Rössli» auf dem St. Anton als überaus verwinkeltes Gebäude. (Bild: Peter Eggenberger)

Eifersuchtsdrama vor 50 Jahren: Mord auf St. Anton erschütterte die Region

Peter Eggenberger Kommentare

Ende März 1971 erschütterte die Nachricht von einem Mord auf dem St. Anton die Region. Opfer war eine Serviertochter, die im bekannten Höhengasthaus «Rössli» tätig gewesen war.

«In den frühen Morgenstunden des 28. März 1971 ereignete sich im Hotel ‘Rössli’ auf St. Anton bei Oberegg ein trauriges Eifersuchtsdrama. Der bald 21-jährige, zuletzt in Rorschach in Stellung gewesene R.M. wollte sich nicht damit abfinden, dass seine Freundin, die fast 20-jährige St. Gallerin U.W., das Freundschaftsverhältnis aufgegeben hatte. Dazu kam, dass das Mädchen einen anderen Burschen kennen gelernt hatte. Der abgewiesene Liebhaber war entschlossen, seine bisherige Freundin und den Nebenbuhler umzubringen…», war Ende März in der Zeitung «Appenzeller Volksfreund/Oberegger Anzeiger» zu lesen.

Mordwaffe war ein Küchenmesser

«In der Nacht vom Samstag, 27. März, auf Sonntag schlich sich der Bursche ins Hotel ein und beobachtete, wie sich sein Mädchen bei Musik und Tanz mit dem neuen Freund unterhielt. Der eifersüchtige Täter will auch gesehen haben, wie sie sich vom Freund mit einem Kuss verabschiedete, bevor sie ihr Zimmer aufsuchte. Wenig später begehrte R.M. Einlass und erklärte, er wolle mit ihr reden. U.W. beschied ihrem Exfreund, dass die Beziehung beendet sei…». Im Zeitungsbericht wird weiter geschildert, wie der Bursche nach der Abfuhr mehrmals auf das Mädchen eingestochen habe. Trotz der Hilfeschreie des Opfers sei jede Rettung zu spät gekommen.

Flucht durchs Fenster

«Der Täter flüchtete durch das Fenster und rannte in Richtung Landmark. Unterwegs hielt er einen Automobilisten auf erklärte, er habe etwas angestellt. Der Fahrer benachrichtigte die Polizei, die den Täter ohne Gegenwehr verhaften konnte. Da Suizidgefahr bestand, wurde er in eine psychiatrische Klinik überführt», berichtet die Zeitung.

Angstzimmer Nummer 14

1971 wurde der grosse Hotel-Restaurantbetrieb «Rössli» von Witwe Rita Breu-Büsser geführt. Die damals im Schulalter stehenden Kinder des Ehepaars Walter (1969 verstorben) und Rita Breu hat das Drama schwer belastet. «Das im dritten Stockwerk gelegene Zimmer Nummer 14 von Serviertochter Ursula blieb für uns lange das Angstzimmer, dessen Betreten wir nach Möglichkeit vermieden», erinnert sich Markus Breu. Über den traurigen Zwischenfall ist mittlerweile Gras gewachsen und das Angstzimmer verschwand mit der 1977 erfolgten Sanierung des Hauses. 2007 wurde das «Rössli» abgebrochen, und bereits am 9. Februar 2008 war das heutige, eine gänzlich andere Architektur aufweisende Gasthaus mit dem neuen Namen «St. Anton» betriebsbereit.

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