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Auf dem Buechberg in Thal erweckt der Blick auf den Bodensee den Eindruck, der Himmel berühre die Erde.
Auf dem Buechberg in Thal erweckt der Blick auf den Bodensee den Eindruck, der Himmel berühre die Erde. (Bild: Monika von der Linden)

Dort berühren sich Himmel und Erde

Georg Changeth Kommentare

Mit diesem Sonntag beenden wir die Weihnachtszeit. Was hat mich an diesem besonderen Weihnachtsfest berührt? Ein Beitrag aus der Reihe "Aus christlicher Sicht".

Vielleicht habe ich es in Stille und Einsamkeit verbracht, vielleicht war ich krank und hatte kein Interesse am Feiern. Auch wenn wir es in Einfachheit und mit wenigen Besuchen gefeiert haben, trotzdem sollte uns das Geheimnis dieses Festes zu Herzen gehen. Denn uns ist ein Kind geboren, das uns Hoffnung und Licht schenkt.

Es gab im vergangenen Jahr so viele berührende Momente für Corona: Ein Mann mit 90 Jahren rief die Telefonseelsorge an: «Ich bin sehr traurig und deprimiert, ich habe niemanden, der mich besucht zu Weihnachten oder der mit mir ein Glas Wein trinkt – können sie mir jemanden schicken, der mit mir kurz sprechen kann. Ich wäre sehr dankbar.»

Oder: Ein älterer Mann wurde von Bergamo (Italien) in ein anderes Krankenhaus verlegt. Als es ihm wieder besser ging, wollte die Ärztin die Angehörigen anrufen. Der Mann sagte: «Ich habe zwar zwei Kinder und Enkel, aber wir leben in Streit seit vielen Jahren und haben keinen Kontakt.» Die Ärztin gab nicht auf und fand die Telefonnummer der Tochter heraus. Sie war so berührt am Telefon, weil sie nicht wusste, dass ihr Vater krank war. Sie hatte den Wunsch, mit dem Papa jetzt Frieden zu schliessen und beide weinten vor Freude durchs Videotelefon.

Die Coronakrise verlangt uns viel ab. Aber es gibt auch gute Seiten. Eine grosse Hilfsbereitschaft ist seit Beginn der Pandemie zu spüren. Hier ein Beispiel: Beim ersten Lockdown im Frühjahr ereignete sich in einer Grossstadt Folgendes: Die Kolpinggruppe hatte täglich für Arme und Menschen auf der Strasse warmes Essen verteilt. Da dies wegen Corona so nicht mehr möglich war, verlagerte sie die Ausgabe in eine Toreinfahrt. Eine lange Menschenschlange stand täglich an, mit Abstand. Ein vornehmes Auto fuhr vor, der Fahrer stieg aus und erkundigte sich, warum so viele Leute da stehen. Man sagte ihm, dass Kolping ihnen helfe. «Das ist sehr gut, dass sie das machen» – der Fahrer stieg wieder ein.

Nach einer Woche erhielten die Helfer der Essensausgabe von ihm 20000 Franken. Wir wissen nicht, ob der Mann religiös oder sozial ist. Aber er wurde von einem Engel an diesen Ort geführt, er war berührt über die Helfer und Hilfesuchenden, er überlegte und handelte in freier Entscheidung. Er setzte an diesem Tag seine Güte und Herzlichkeit für die Mitmenschen ein.

Was wird davon bleiben, wenn die Krise wieder vorbei ist? Gottes Güte und Liebe ist nicht irgendwo und irgendwann, sondern konkret zu mir gekommen an Weihnachten. An den Beispielen sehen wir, dass sich Menschen ändern können zum Guten hin. Für mich ist dies ein grosses Wunder. Vielleicht ist die Krise auch eine Chance für ein Wunder zum guten und besseren Miteinander und für eine neue Zeit der Aufmerksamkeit füreinander.

Georg Changeth, Kaplan in Widnau

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