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Für die Bewohner da sein und zwischendurch auch im Büro am Computer arbeiten: Jaro notiert Besonderheiten im Tagesablauf der Senioren.
Für die Bewohner da sein und zwischendurch auch im Büro am Computer arbeiten: Jaro notiert Besonderheiten im Tagesablauf der Senioren.

Die zweite Wahl ist ein Glücksfall

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#talkday: Jaro bereitete die Berufswahl keine Mühe. «Ich wollte schon immer in einem sozialen Bereich arbeiten.» Am liebsten mit Kindern. Doch es kam anders. Heute betreut er Senioren im Alters- und Pflegeheim Hof Haslach in Au.

Name: Jaro Alter: 17 Wohnort: Reute Beruf: Lernender FaGe EFZ

Jaro lässt sich zum Fachmann Gesundheit EFZ ausbilden. Ein Richtungswechsel, den er nicht bereut. FaGe-Personal pflegt und betreut kranke oder betagte Menschen und übernimmt weitere Aufgaben im Bereich Ernährung und Administration. Einen wesentlichen Punkt erwähnt Jaro ganz selbstverständlich: «Reden ist auch immer wichtig.» Das mache er gern. Und zuhören. Das fällt ihm leicht mit seiner freundlichen und aufgeschlossenen Art. «Die Bewohner erlebten viel im Laufe ihres Lebens. Es berührt mich, wenn sie davon erzählen.» Auch zeigen die Senioren gegenüber dem Pflegepersonal und den Lernenden Wertschätzung. «Es kommt sehr viel zurück», sagt Jaro, der sich seit August im ersten Lehrjahr befindet.

Vom Schnuppern über das Praktikum in die Lehre

Er kennt den Betrieb im Auer Alters- und Pflegeheim bereits. Nach der Realschule absolvierte er hier ein Praktikum, nachdem er beim Schnuppern erste Eindrücke sammelte. Zuerst deutete sein Berufswunsch Richtung Fachmann Betreuung Kinder. Jaro lebt in einer Patchworkfamilie mit mehreren Geschwistern, besuchte einen Babysitterkurs und engagiert sich auch in seiner Freizeit für Kinder als Mitglied der Jungwacht. Doch eine Lehrstelle in seinem gewünschten Beruf zu finden, war, auch aufgrund seines Geschlechts als Mann, mit Schwierigkeiten verbunden. Er musste offen werden für verwandte Berufe und stiess auf FaGe, was ihm ebenfalls zusagte. Das Praktikum empfand er als wichtige Entscheidungshilfe. «Mit 16 ist man noch so jung und es war eine Chance zu erfahren, was in einer Lehre gefordert ist», sagt Jaro. Pflegeberufe sind anspruchsvoll, man müsse im Leben stehen, belastbar sein und sich abgrenzen können. Das gelingt ihm beim Joggen nach Feierabend oder im Austausch mit Mitarbeitenden, von denen er sich bestens begleitet fühlt.

Vorurteile stören ihn nicht

Seine Berufswahl löste verschiedene Reaktionen aus. «Das ist doch kein Männerberuf», hörte Jaro, was ihn aber nicht weiter kümmert. «Wer FaGe nicht kennt, hat das Gefühl, es sei einfach, betagte Menschen zu betreuen.» Doch meist werde ihm Respekt entgegengebracht, besonders für die Geduld, die nötig ist und das medizinische Wissen, das erlernt wird. Zwei Tage pro Woche besucht Jaro die Berufsschule BZGS in St. Gallen. Die Klasse bildet das typische Verhältnis der Geschlechter ab. Unter den rund 20 Lernenden sind nur drei junge Männer vertreten, auch in seinem Lehrbetrieb ist er der einzig männliche Lernende. Wobei Fachmänner Gesundheit geschätzt sind in einem Team und auch Bewohner begrüssen es, zwischendurch von einem Mann betreut zu werden. Nach der FaGe-Grundbildung eröffnen sich vielfältige Einsatzgebiete. Jaro möchte nach der Lehre gern in einer Psychiatrie arbeiten. Auch die Betreuung von Kindern schliesst er nicht aus.  

Voraussetzungen

Fachmann/Fachfrau Gesundheit EFZ: Keine Allergien/Unverträglichkeiten gegen Desinfektionsmittel, Körperliche und psychische Gesundheit, Emotionale Belastbarkeit (Konfrontation mit belastenden Situationen von Klienten und Angehörigen) Freude am intensiven Kontakt, Einfühlungsvermögen, Ausgeprägte Teamfähigkeit, Gute Beobachtungsgabe. Der Lohn im ersten Lehrjahr beträgt durchschnittlich ca. 750 Franken und kann je nach Betrieb unterschiedlich sein.

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