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Altstätten

«Mir ist wichtig, dass die Säulen so dargestellt werden, wie sie wirklich sind», sagt Profifotograf Benno B. A. Stadler (r.), der mit Jack E. Griss das Buch herausgibt.
«Mir ist wichtig, dass die Säulen so dargestellt werden, wie sie wirklich sind», sagt Profifotograf Benno B. A. Stadler (r.), der mit Jack E. Griss das Buch herausgibt. (Bild: pd)

Die Säulen ins rechte Licht rücken

Reto Wälter Kommentare

Jack E. Griss und Benno B. A. Stadler gestalten ein Buch mit den verschiedenen Säulen von Altstätten.

«Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht», ist ein Zitat des deutschen Dichters Christian Morgenstern. Etwa so erging Benno B. A. Stadler, der mitten in der Altstadt aufgewachsen ist. Kulturwerker Jack E. Griss sprach ihn an mit seiner Idee, ein Buch über die Säulen von Altstätten zu verfassen. «Zuerst sah ich nicht, dass sich aus dieser Idee etwas Interessantes machen lässt», sagt Stadler. Die Meinung des heute in Rebstein lebenden gelernten Berufsfotografen mit eigenem Studio änderte sich, als er sich an einem Sonntagmorgen Zeit nahm und den Besuch beim Bäcker mit einem Spaziergang durch das Städtli verband. 

Es gibt viel mehr Säulen, als man denkt

Stadler erinnert sich: «Zuerst einmal fiel mir auf, wie viele Säulen es in Altstätten überhaupt gibt.» Nebst dem Laubengang in der Marktgassen stützen sie Hauseingänge, sind Eckpfeiler, bilden Eingangsportale; bei den Kirchen und Brunnen sprudelt Wasser aus ihnen. Und die meisten sind komplett unterschiedlich, was Form und Material anbelangt, selbst wenn sie gleich nebeneinander stehen. 

«Ich habe die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer angeschrieben, um herauszufinden, ob sie etwas explizit über die Säulen ihrer Häuser wissen», sagt Jack E. Griss. Ergiebig sei das nicht gewesen.  Bei einem Stadtrundgang mit Werner Ritter, der sich bestens mit der Geschichte von Altstätten auskennt, erfuhren sie, dass der markante Laubengang seinen Anfang im Jahr 1567 hat, als beim Stadtbrand «innerhalb der Ringmauern ausser einer Anzahl gewölbter Keller nichts von den Flammen verschont wurde», wie es im Altstätter Buch beschrieben wurde. Beim Wiederaufbau wurden schützende Lauben gebaut, die den Läden Organisation und Verkauf erleichterten. Ursprünglich waren das wirklich Läden gewesen, die heruntergeklappt worden sind. 


Die unterschiedliche Höhe der nicht zerstörten Keller erlebt man heute noch, wenn man «unter da Böge» durchgeht. «Das erklärt zwar den Ursprung der Säulen in der Marktgasse, sagt aber noch nichts über diese selber aus», sagt Griss. Er sei pensionierter Lehrer und kein Kunsthistoriker, der dies fachlich sauber darstellen könnte. Deshalb hätten sie sich entschieden, verschiedene Texte, die Jack Griss zwischen 1968 und heute schrieb, zu den Bildern zu stellen. Dass die Säulen für sich sprechen, merkte auch Benno B. A. Stadler, für den das Projekt als waschechten Städtlibueb auch zum Wiedersehen mit der Jugendzeit wurde. 

Die Säulen ins rechte Licht rücken. (Bild: rew)

Mitten in der Nacht fotografiert

Zwischen eins und sechs Uhr in der Früh war und ist Stadler jeweils mit Kamera, Stativ und Wanderlicht unterwegs. Mit der Technik des intuitiven Lichtmalens rückt er die Säulen ins rechte Licht. Mit Teilbelichtungen durch den Spot werden Aufnahmen gemacht, die danach zu einem Gesamtbild zusammen gesetzt werden. Beim Augenschein am frühen Morgen stellte sich schnell die Frage, ob die Anwohner sich nicht gestört fühlen, wenn Teile der Szenerie mit dem starken Lichtstrahl ausgeleuchtet werden. «Es gab tatsächlich Reaktionen», sagt Stadler. Aber er habe zuvor die Polizei über das Projekt informiert. Daher gab es keine Komplikationen. 


Vom Frühling bis heute ist und war er immer wieder in der Nacht unterwegs, um ideale Bedingungen für seine Bilder vorzufinden. Er sei selber erstaunt gewesen, wie viel Licht auch in der Nacht noch brenne. Da Stadler zudem den Ehrgeiz hatte, keine Fahrzeuge auf seinen Bildern zu haben, rückte er bei manchen Objekten fünf-, sechsmal aus. «Ein wichtiges Werkzeug war dabei der Besen, um die Säulen von Blättern, Abfall und Spinnweben zu befreien», sagt der Profifotograf lachend. 45 bis 50 Säulen werden ins Buch aufgenommen, alle sind im Zentrum oder in der Nähe zu finden. «Wir haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit», sagt Benno B. A. Stadler. Das Buch, das von Sponsoren mitfinanziert wird, soll im Laufe des nächsten Jahres erscheinen. Es wird in einer Kleinserie gedruckt und in ausgewählten Geschäften angeboten, zudem kann es bei den Machern bezogen werden. 

Wer das Städtli übrigens einmal aus anderen Augen sehen will, der sollte seinen Fokus einfach auf die Säulen richten: die langen, kurzen, dünnen, dicken, verschnörkelten, schlichten und krummen.

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