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Oberriet

Eine junge Türkin beim Schwimmen im Burkini in Deutschland. Solche Ganzkörper-Badeanzüge werden toleriert, manchenorts allerdings nur eng geschnittene, weil das Badipersonal weit geschnittene Burkinis kaum von der üblichen Strassenkleidung der Muslimas unterscheiden kann.
Eine junge Türkin beim Schwimmen im Burkini in Deutschland. Solche Ganzkörper-Badeanzüge werden toleriert, manchenorts allerdings nur eng geschnittene, weil das Badipersonal weit geschnittene Burkinis kaum von der üblichen Strassenkleidung der Muslimas unterscheiden kann. (Symbolbild: ky/Stephanie Pilick)

«Die Regeln gelten für alle»

Max Tinner Kommentare

Eine Rüthnerin, die mit ihren Enkeln in der Oberrieter Badi war, empört sich über zwei Muslimas, die in Strassenkleidern im Planschbecken baden. Der Gemeindepräsident gibt ihr recht: «Das ist unhygienisch und darum nicht erlaubt.»

OBERRIET. Die sommerlichen Tage vor einer Woche nutzt eine Frau aus Rüthi zu einem Besuch zusammen mit ihren Enkeln, ein und drei Jahre alt, in der Oberrieter Badi Bildstöckli. Es ist Freitagvormittag. Die Schulferien haben noch nicht begonnen. Es hat also reichlich Platz zum Bädele. Gegen elf Uhr begibt sie sich mit den Kindern in die Umkleidekabine, um anschliessend nach Hause zu fahren.

«Ich habe mich geekelt»

Als sie wieder aus dem Garderobenbereich tritt, sieht die Rüthnerin zwei von Kopf bis Fuss verhüllte Muslimas mit Kindern beim Planschbecken, in dem sie bis gerade eben mit ihren Enkelkindern selbst noch war. Erst seien nur die Kinder im Wasser gewesen. Doch dann sei die eine Frau ebenfalls hinein gestiegen und habe sich flach ins 40 Zentimeter tiefe Wasser gelegt. «In ihren Kleidern», empört sich die Rüthnerin, «mir hat es fast den Magen umgedreht, dermassen geekelt habe ich mich.» 

Danach sei die zweite Muslima ebenfalls ins Kinderbädli gestiegen, und auch sie habe sich voll bekleidet zum Planschen mit den Kindern ins Wasser gelegt. Die eine der beiden sei danach auch noch ins Nichtschwimmerbecken gestiegen, ebenfalls in Kleidern, erzählt die Rüthnerin. Sie habe den Vorfall noch dem Bademeister melden wollen, sagt die Rüthnerin, habe ihn aber nicht gleich gefunden. Sie habe es dann jemandem gesagt, der gerade am Rasenmähen war und sei gegangen.

SVP-Präsident rotiert

Ein paar Tage später geht die Frau aus Rüthi wieder baden. Diesmal nicht mehr in der Oberrieter Badi, sondern im Baggersee in Kriessern. Dort trifft sie auf Ernst Gächter, den Präsidenten der SVP Oberriet, und erzählt ihm, was sie im Freibad Oberriet beobachtet hat. Gächter ist empört: «Den Buben wird verboten, in Shorts zu baden, die sie auch ausserhalb der Badi tragen – zu recht, weil sie darunter meist die Unterhosen anbehalten – aber bei denen wird es dann toleriert? Das darf nicht sein!» Gächter argumentiert auch mit der möglichen Verbreitung von Krankheitskeimen. Noch gleichentags kontaktiert er Rolf Huber, den Oberrieter Gemeindepräsidenten. Da das Freibad Bildstöckli ein Gemeindebetrieb ist, liegt die Verantwortung über die Badi letztlich bei ihm. Und Huber gibt Gächter und der Rüthnerin recht. «Das kann es tatsächlich nicht sein», sagt er. 

Nur in Badeanzügen

Auch in der Badi Oberriet dürfe man nur in Badeanzügen ins Wasser. Darunter fallen auch Ganzkörperbadeanzüge, wie es sie für Muslimas gibt, die so genannten Burkinis. Nicht in Frage komme hingegen Strassenkleidung, betont Rolf Huber: «Diese Regel gilt für alle; und es haben sich auch alle daran zu halten.» Die Hygieneanforderungen würden gar nichts anderes zulassen.

Der Bademeister habe die Muslimas auch darauf aufmerksam gemacht, als die Frau aus Rüthi bereits weg war. Sie seien mit den hiesigen Gepflogenheiten noch nicht vertraut gewesen. Wegen der mangelnden Sprachkenntnisse sei es dem Bademeister auch gar nicht so leicht gefallen, sie ihnen zu erklären.

Andernorts ist man noch restriktiver und schreibt für Ganzkörper-Badeanzüge vor, dass diese eng anliegend sein müssen, weil das Badipersonal weit geschnittene Burkinis kaum von der üblichen Strassenkleidung der Muslimas unterscheiden kann. Dies schreiben beispielsweise gleich mehrere Zeitungen über das Frauenbad der Basler Badeanstalt Eglisee. Dass solche Verschärfungen der Badevorschriften nicht islamophobisch begründet sind, belegen andere Beispiele, wo Buben und Männern das Tragen von Surfer-Shorts verboten wurde.

Keine Verschärfung nötig

Eine Verschärfung der Vorschriften für die Badi Oberriet hält Rolf Huber nicht für nötig. Er will die Badeaufsicht aber dazu anhalten, weiterhin hinzuschauen und die geltenden Vorschriften durchzusetzen.

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