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Der tägliche Rutschen-Wahnsinn

Alexandra Pavlovic/daniel Walt Kommentare

Wie konnte es zum Rutschenunfall im Säntispark kommen? Ein Experte prangert das Fehlverhalten von Badegästen an, die sich nicht an die Regeln halten. Der Säntispark setzt auf die Sensibilisierung der Mitarbeitenden.

Wie gefährlich ist das Rutschen in Schweizer Erlebnisbädern? Diese Frage stellt sich nach dem Unfall, der sich am Sonntag im Abtwiler Säntispark ereignet hat (Ausgabe von gestern). Mehrere Personen hatten Verletzungen davongetragen, als es auf der Rutschbahn «Wirbelwind» zum Zusammenprall von Badegästen gekommen war. Diese zogen sich laut einem Beteiligten eine Gehirnerschütterung und Prellungen zu, auch einen Nasenbeinbruch habe es gegeben.

Es sei vor allem das Fehl­verhalten der Menschen, das für Gefahr sorge, hält Beat Wittwer, Berater bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), fest. «Wenn ich privat in Badis bin und gewisse Szenen sehe, kann ich manchmal fast nicht hinschauen», sagt er. Als typisches Fehlverhalten auf Rutschbahnen erwähnt Wittwer das Aufstehen während des Rutschens, das Anhalten beziehungsweise das Verursachen eines Staus oder das Einnehmen einer unerlaubten Rutschposition. Auch das Mitführen von Reifen auf dafür ungeeigneten Bahnen gehört für Wittwer dazu – genau dieser Punkt stand auch am Anfang der Ereignisse im Säntispark. «Zudem gibt es immer wieder Leute, die nicht auf das grüne Licht warten.»

«Wir bedauern diesen Vorfall sehr»

Nach dem Unfall lässt sich auch die Genossenschaft Migros Ostschweiz als Betreiberin des Säntisparks nochmals zu den Geschehnissen vernehmen. «Wir bedauern diesen Vorfall sehr, besonders, weil dadurch unschuldige Personen zu Schaden gekommen sind», heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens. Es sei den Verantwortlichen äusserst wichtig, die Sicherheit in der Rutschenwelt jederzeit zu gewährleisten. Wie sich herausgestellt hat, ist die Verletzung eines der involvierten Badegäste nicht so gravierend ausgefallen – zunächst war auch von einer jungen Frau die Rede gewesen, die sich angeblich das Bein gebrochen habe. «Wir haben telefonisch mit der verletzten Frau Kontakt aufgenommen. Sie hat sich eine starke Prellung am Fuss zugezogen. Es geht ihr wieder besser», sagt Andreas Bühler, Leiter Kommunikation bei der Migros Ostschweiz.

In der Zwischenzeit konnten auch die Videobilder des Vorfalls im Detail ausgewertet werden. «Diese zeigen, dass die Säntis-park-Angestellten nach der Meldung des Vorfalls schnell und richtig gehandelt haben», sagt Andreas Bühler. Zu sehen ist auf den Aufnahmen, dass sich eine Gruppe von Gästen im Rutschenturm nicht den Regeln entsprechend verhielt, weshalb der im Überwachungsraum tätige Bademeister den Raum verliess, um sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Dass der Bademeister aus dem Kontrollraum ging, war laut der Migros Ostschweiz nicht korrekt. Exakt in dieser Zeit begaben sich zwei weitere Gäste unerlaubterweise mit Reifen in die Rutschbahn «Wirbelwind» – und es kam zum Unfall. «Da unser Bademeister zu dieser Zeit nicht im Kontrollraum war und jener auf der Startebene mit anderen Gästen beschäftigt war, konnte niemand die zwei Badegäste auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen», heisst es im Communiqué der Migros weiter. Die beiden schafften es so unbemerkt, den Rutschenturm zu verlassen, ohne sich um die festgeklemmten Reifen zu kümmern. Dass, wie eines der Opfer berichtet, niemand der Angestellten reagiert habe, weist die Migros zurück. «Zur Zeit des Unfalls lag die Anzahl der Aufsichtspersonen über den vom TÜV formulierten Empfehlungen.» Es seien immer vier bis fünf Personen in der Rutschenwelt anwesend, präzisiert Andreas Bühler. Als die Bademeister das Problem bemerkten, sperrten sie die Rutschbahn sofort. Zudem kümmerten sich andere Personen des Teams laut der Migros umgehend um die verletzten Personen.

Damit es nicht mehr zu einem solchen Vorfall kommt, will der Säntispark die Mitarbeitenden weiter sensibilisieren. Der Kon-trollraum solle nicht verlassen werden, bei Bedarf müsse ein Kollege alarmiert werden. «Beim Vorfall vom Sonntagabend handelt es sich um einen Einzelfall», so die Migros. Über die Weihnachtsferien hätten rund 60000 Gäste die Bade- und Rutschenwelt besucht. Dabei sei es, abgesehen von einigen blauen Flecken und kleinen Blessuren, zu keinen Verletzungen gekommen.

Nie ganz auszuschliessen

Auch Unfallexperte Beat Wittwer ist überzeugt, dass dem Aspekt Sicherheit in Schweizer Erlebnisbädern genügend Gewicht beigemessen wird. «Die Bademeister beobachten das Geschehen und sind sich bewusst, welche Gefahren wo lauern», sagt er. Deshalb seien Ereignisse wie jene im Säntispark aus seiner Sicht zum Glück die Ausnahme. Wittwer ist überzeugt, dass der Unfall im Säntispark den einen oder anderen Badegast für die Gefahren sensibilisiert, die beim Rutschen lauern. «Ganz verhindern lassen sich solche Vorfälle aber leider nicht – und zwar wegen des Faktors Mensch.»

Alexandra Pavlovic/Daniel Walt