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Rebstein

Sie betrachten Jesus, den Retter der Welt.
Sie betrachten Jesus, den Retter der Welt. (Bild: Krippe in der evangelischen Kirche, Rebstein / Monika von der Linden)

Der Retter der Welt

Philipp Hautle Kommentare

Ich erschrecke. Darf ich heute Jesus als Retter der Welt oder Heiland bezeichnen? Angesichts all des Elends und der grauenhaften Nöte rund um den Erdball: Coronapandemie, Hunger, Arbeitslosigkeit, Gewalttätigkeit, Streit in Familien und Gesellschaft, der wachsende Graben zwischen Arm und Reich, all die verborgenen, verwundeten Seelen und Verzweifelte, die sich das Leben nehmen. Kann ich da Jesus als Retter der Welt und Heiland verkünden?

«Euch ist heute der Heiland geboren, der Messias, der Herr!» So lässt der Evangelist Lukas die Engel verkünden. Mitten hinein in die damalige Welt, die nicht weniger brutal und ungerecht war als heute: Gräueltaten und Ausbeutung des Königs Hero-des sowie mordende römische Heere.

Trotzdem – Jesus der Retter der Welt? Ich zögere. Hilfesuchend schaue ich auf die Reaktion der Hirten: «Kommt, wir gehen nach Bethlehem und schauen, was da passiert ist!» Sie brechen auf, finden das neugeborene Kind. Jesus. Sie schauen, betrachten es und staunen. Sie gehen wieder heim, erzählen es weiter und loben Gott. Das Kind betrachten. Jesus. Der Evangelist meint damit wohl viel mehr, als bloss auf das Neugeborene zu schauen. Betrachtet, schaut auf diesen Jesus, auf sein ganzes Leben! Wie er gelebt hat. Auch auf sein Sterben. Auf alles, was ihm und mit ihm passiert ist. Sogar nach seinem Tod passiert ist.

Lukas erzählt das Leben Jesus aus dieser Perspektive, Jahrzehnte nach seinem Tod und den unfassbaren Ostererfahrungen. Brauchen wir nicht heute diese Perspektive? Nicht nur auf die heutigen Nöte starren. Sondern unsere Augen weit öffnen. Schauen, wie wir heute wie Jesus leben können. Sehen auch, wie viele vor uns Kriege, Hunger, Pest, die Spanische Grippe oder Wirtschaftskrisen ausgestanden haben. Durchlitten haben oft bis in den Tod. Weil ihnen Jesus von Nazareth zur Richtschnur ihres Handelns und zur Hoffnung geworden ist. Weil sie mit Jesus bis in den Tod auf Gott, den Vater, vertraut haben. Trotz aller Not, Zweifel, Fragen und Ängste. Und weil die Ostergeschichten sie ahnen liessen, dass dieser Gott und Vater auch sie aus dem Tod in ein neues, unvorstellbares Leben retten werde. So verstehe ich das Engelwort: «Heute ist Euch der Heiland geboren!».

Gesegnetes Schauen. Gesegnete Weihnachtszeit.

Philipp Hautle

Rebstein

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