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Leserbeiträge

Der beste Start geht von zu Hause aus

Reni Villiger Kommentare

Betr. «Das Sozialwesen boomt», Ausgabe vom 7. August

Als Seniorin, Familienfrau mit einigen Nebenjobs in der Freiwilligenarbeit und nun siebenfache Grossmutter habe ich den Wandel in der Frauen- und Familienarbeit miterlebt. Vieles hat sich zum Besseren entwickelt. Wesentliches ist auf der Strecke geblieben bzw. delegiert worden. Ich denke dabei an die alten Menschen, die heute in komfortablen Altersheimen mit ausgebildetem Personal leben. Schön für sie, sie haben es verdient.

Die Kinder können ja nicht gefragt werden. Aber die Mamis haben nebenbei noch einen interessanten Job, den sie nicht missen möchten. Gut zu wissen, dass die Kinder nach dem Kinderurlaub gut versorgt und betreut sind durch geschultes Personal in der Kita und beim Mittagstisch. Gut für sie, sie sollen ja auch lernen und gefördert werden.

Gibt’s Familien- und Erziehungsprobleme, brauchen einsame oder behinderte Menschen einen Beistand, ist die Kesb dafür zuständig. Auch sie braucht Fachpersonal und eine effiziente Infrastruktur. Die Liste, wo Fachpersonen im Sozialbereich tätig sind, liesse sich problemlos weiterführen.

Fazit: Die Familienstrukturen, manchmal über die Generationen hinweg, haben sich stark verändert. Professionelle Institutionen übernehmen nun wesentliche Teile der Familienarbeit. Dort zu sparen oder sie gar zu streichen, wäre wohl unangebracht. Wo zwischenmenschliche Beziehungen das tragende Element der Gesellschaft sind, vor allem bei Kindern und alten Menschen, bei Menschen die Unterstützung brauchen, ist eine hohe Sozialkompetenz gefordert. A propos fremde Kinder­betreuung: Gut, dass es sie gibt. Gut auch, dass der Staat sie mitfinanziert und ein grosser Teil der Kosten steuerlich absetzbar ist.

Aber höchst ungerecht ist, dass Familien, die ihre Kinder selbst betreuen (und es gibt sie noch) in keiner Weise dafür belohnt werden. Meiner Meinung nach ist dies immer noch der beste Ort, um Kindern emotional einen guten Start ins Leben zu geben und sie durch ihre Kindheit zu begleiten.

Reni Villiger

Fahrweg 13, Widnau