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Trotz des Winters fliegen viele Störche nicht mehr in den Süden.
Trotz des Winters fliegen viele Störche nicht mehr in den Süden. (Bilder: pd)

Den Störchen gefällt es im Rheintal

Pd Kommentare

Am Samstag hat der Verein Rheintaler Storch eine Zählung der überwinternden Störche im Rheintal vorgenommen.

Jüngst haben aufmerksame Beobachter festgestellt, dass Störche immer öfter im Winter nicht mehr in den Süden ziehen. Das hat schweizweit am letzten Wochenende etliche Ornithologen dazu veranlasst, Störche zu zählen, die im Winter hier bleiben. So auch bei der Strafanstalt Saxerriet. Unterwegs waren Andy Wyss, Geschäftsführer und Monitoring des Vereins Rheintaler Storch, sowie dessen Präsident Benedikt Heeb.

Viele weitere Ornithologen folgten dem Aufruf von Storch Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zur sechsten Weissstorch-Winterzählung. Der Verein Rheintaler Storch suchte die ganze Region am Alpenrhein ab; den Kanton St. Gallen, das Fürstentum Liechtenstein sowie Vorarlberg.

Bei der Metzgerei in Salez fündig geworden

Es begann auf dem Gelände der Strafanstalt ruhig, am Morgen war noch kein Klappern von Störchen zu hören. Plötzlich erschien hoch oben am Himmel ein Storch. Kurz darauf landete er auf einem Horst der Scheune. Andy Wyss holte das Fernglas hervor, konnte die Nummer auf dem Ring erkennen. Der Storch mit der Nummer 4990 brütet seit 2008 in der Kolonie des Saxerriets. Er muss ein älterer Vogel sein.

Im Riet auf Storchensuche: Benedikt Heeb (rechts) und Andy Wyss vom Verein Rheintaler Storch.

Es schien, als ob die Störche unterwegs waren, um Nahrung zu finden. Auf dem Rundgang auf dem Gelände waren jedenfalls keine Störche zu finden. «Vielleicht sind sie zum Bodensee geflogen, dort halten sie sich häufig auf», mutmasste Benedikt Heeb. Die Suche im Winter ist schwieriger, da sich die Störche teils fernab der Horste aufhalten. Also schauten die Beobachter in der Nähe der Metzgerei in Salez nach. Auf ihrem Dach gibt es einen Kamin, worauf sich ein Horst befindet.

Und tatsächlich: Hinter dem Haus stolzierte das Storchenpaar auf einer grossen Wiese und stocherte mit ihrem Schnabel in der leicht gefrorenen Erde. Ursula Goldener von der Metzgerei sagte, das Storchenpaar verbringe seit längerer Zeit den Winter hier – und die Nacht auf ihrem Horst.

Jungvögel überwintern im Süden, in der Wärme

Am späten Abend meldete Andy Wyss die Resultate. Er zählte im St. Galler Rheintal 13 Störche; Einzeltiere, Paare oder kleine Gruppen. Weitere Funde anderer Beobachtern kommen hinzu, daraus ergeben sich 40 Störche auf der Schweizer Seite. In Vorarlberg wurden 145 Weissstörche gezählt, im Liechtenstein fünf. So kann von mindestens 190 hier überwinternden Störchen ausgegangen werden.

Dass fast nur ältere Störche im Winter hier bleiben, aber die Jungvögel in den Süden ziehen, begründet Wyss damit, dass diese Vögel noch keinen Horst und so auch kein «warmes Plätzchen» haben. Dies müsste allerdings noch genauer untersucht werden. Ein Beispiel ist Störchin «Rheini», die früher im Spätsommer nach Marokko flog. Den zweiten Winter verbrachte sie etwas südlich der spanischen Hauptstadt Madrid auf einer Müllhalde. Seither brütet Rheini in Dornbirn. Und sie bleibt das ganze Jahr hier – eine Tendenz, die sich auch bei anderen Störchen durchgesetzt hat.

Störche, die den Winter im Rheintal verbringen, haben den Vorteil, im Frühjahr schon auf dem Horst zu sein und sich auf die Brut vorbereiten zu können – ohne Konkurrenz. In diesem Zusammenhang wies Präsident Benedikt Heeb darauf hin, dass sich der Verein für ein neues Management in Bezug auf die Horste entschieden hat: Es werden vorläufig keine neuen installiert.

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