rheintaler.ch

Berneck

«Zehendt-Büechlein zue Bernang» 1703: Die trinkfesten Gallus-Brüder durften sich täglich an vier Litern Wein laben. Der kunstvoll gestaltete Einband verdeutlicht die Wertschätzung des Rebensafts.
«Zehendt-Büechlein zue Bernang» 1703: Die trinkfesten Gallus-Brüder durften sich täglich an vier Litern Wein laben. Der kunstvoll gestaltete Einband verdeutlicht die Wertschätzung des Rebensafts. (Bild: pd)

Das Torkelfest reist zurück ins Jahr 1892

Kommentare

Das Festmotto des 22. Torkelfests vom 1. und 2. September dieses Jahres heisst neu «Bernegg 1892» und wird den Ortskern in eine stimmungsvolle historische Kulisse verwandeln.

Als kleiner Vorgeschmack auf das Torkelfest von Anfang September publiziert das Organisationskomitee in Zusammenarbeit mit Erich Gubelmann Bernecker Archivperlen. Das «Tagblatt» der Stadt St. Gallen vom 12. September 1892 schreibt zu Berneck unter anderem: «Es gibt dieses Jahr sehr wenig Wein. Kaum eine Lage bringt einen Viertelertrag. Ursachen sind die kalten Schneenächte vom 10. bis 21. April und die grosse Föhnnacht im August.» So wenig Ertrag wie im Frostjahr 1956, als nur 313 Kilogramm zu verzeichnen waren? Der Jahrhundert-Sommer 2003 mit 329000 Kilogramm Trauben lässt grüssen.

Der Rebmann versuchte, die Menge zu schmälern

1484 wurden dem Kloster St. Gallen 270000 Liter Rheintalwein (ein grosser Teil davon Bernanger) abgeliefert.

In den peinlich genau geführten «Win- oder Zehntbüchlin» ist alles aufgezeichnet. Die Torggelmeister mussten bei Gott und allen Heiligen schwören, ein fleissiges und «getrüwes Ufsechen» zu haben. Denn der Rebmann versuchte mit allen Mitteln, die Menge zu schmälern: Ersatz des kostbaren Rotweins durch minderwertigen «Weissen»; Streckung durch Beimischung von Most und anderem mehr.

War den Berneckern nicht richtig zu trauen?

Die Bernanger, ein arglistig Völklein? Dazu ein Tagebucheintrag von Cölestin Gugger von Staudach, Fürstabt zu St. Gallen vom 17. Oktober 1749: «… sonderlich wegen denen Bernangeren, dass sie ein Streitt angefangen und praetendieren (verlängern), in den Weintorglen tempore etiam vindemiae (mit der Zeit sogar jährlich) nach ihrem Belieben Obstmost zu truckhen, welches ein Neuerung und schädlich wäre, in demme der Obstmost mit dem Wein gar leicht könnte vermischet werden, auch die Torgelmeister selbst könnten laut Eid nit guetti stehen, dass solcher Schaden nit begegne. Werd trachten auf alle Weis, solche schädliche Neuerungen zu verhindern.» (pd)

Folge uns: