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Immer viel los am Breite-Kreisel: Viele junge Leute aus dem Rheintal treffen sich hier zum Feiern.
Immer viel los am Breite-Kreisel: Viele junge Leute aus dem Rheintal treffen sich hier zum Feiern. (cw)

Das Problem mit dem Ansprechen

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In Altstätten kann das Partyvolk feiern, trinken und Leute kennen lernen. Wobei letzteres nicht so einfach scheint.

In Altstätten ist die Rue de Blamage der Hotspot für Partylustige. An den Wochenenden tummeln sich viele junge Erwachsene vor und in den zahlreichen Bars. Dabei spotten viele schon mal eine Person, die ihnen gut gefällt. Doch um diese Person anzusprechen, fehlt vielen der Mumm. Nun wird Abhilfe geschaffen. 

Ein Instagram-User spielt Amor
Vor kurzem wurde auf Instagram die Seite @spotted_rue_de_blamage_ erstellt. Hier sollen Leute zusammengeführt werden. Das Konzept ist simpel: Wer jemanden auf der Rue de Blamage gesehen hat und im Nachhinein Kontakt aufnehmen möchte, kann eine Nachricht mit einer Beschreibung an den Account senden. Der Aufruf wird anschliessend auf dem Profil gepostet, in der Hoffnung, dass die Person ausfindig gemacht wird.

Das Motto von spotted @ Rue de Blamage lautet: «100 Prozent diskret und anonym.» Genauso anonym will der Betreiber des Accounts bleiben. Der Mann aus dem Rheintal ist öfters in Altstätten im Ausgang unterwegs und hat dabei das Ansprechproblem beobachtet. «Viele junge Leute sind schüchtern und haben vielleicht zu wenig Selbstvertrauen, um jemanden anzusprechen», sagt er. «Über Instagram geht das leichter.» Selbst Freunde fragten ihn öfters, nachdem sie jemanden gesehen hatten, ob er wisse, wer die Person sein könnte. So entstand die Idee, einen Verkupplungsaccount zu erstellen.

«I suach a symphatischi Frau, (...) wör sie gärn känna lerna»

so lautet zum Beispiel ein Suchaufruf auf dem Instagram-Account.

«Nach den Wochenenden landen zwei bis drei Nachrichten in meinem Postfach», sagt der Instagram-User. Wie hoch die Erfolgsrate einer Zusammenführung ist, kann er noch nicht sagen, da sich der Account erst in der Startphase befindet. Doch ein Blick auf das Profil zeigt, dass bereits Personen unter den Posts markiert wurden, auf die die Beschreibung passt. «Einmal hat sich jemand für die Hilfe bedankt, deshalb nehme ich an, die Person wurde ausfindig gemacht», sagt der Insta-Amor. Bis jetzt greifen mehrheitlich Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren auf die Dienstleistung zurück.

Fällt es jungen Erwachsenen wirklich schwer, neue Leute anzusprechen? Unsere Umfrage auf Instagram zeigt: Ja. Auf @rheintalerlife haben wir unsere Follower und Followerinnen gefragt, ob sie im Ausgang eine Person ansprechen, die ihnen gefällt. 63 Prozent beantworteten die Frage mit Nein. Als Hauptgrund wurde Schüchternheit genannt. Ein junger Mann klagte aber auch, nach dem Ansprechen oft ausgenutzt zu werden. Er habe schon oft jemandem ein Getränk bezahlt und kaum war es ausgehändigt, war die Person wieder weg. Die anderen 37 Prozent, die Menschen im Ausgang ansprechen, gaben diverse Gründe dafür an: «Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Nein als Antwort», «Wieso nicht? Es gibt nichts zu verlieren», «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», «Besser ein Nein, statt es später zu bereuen» und: «No risk, no fun».

Keine Filter im echten Leben
Dass junge Erwachsene oft Hemmungen haben, andere anzusprechen, hat diverse Gründe. «Angst spielt eine grosse Rolle», sagt Franco Schneller, Bereichsleiter Koordinierte Intervention und Angehörigenberater der Psychiatrie-Dienste Süd. «Angst davor, abgewiesen zu werden, Angst vor einer direkten Rückmeldung oder Angst, Fehler zu machen.» Früher sei der Umgang mit Frustration besser gelernt worden, da Konflikte real ausgetragen werden mussten und Kontakte nur im realen Leben stattgefunden haben.
Zudem sei es im «Real Life» im Gegensatz zu online nicht möglich, sich mit Filtern zu optimieren und via Likes sich vorgängig Bestätigung zu holen. Franco Schneller hat aber auch Tipps, wie man jemanden ansprechen kann: «Die Absicht muss im Vorhinein klar sein. Was möchte ich? Kennenlernen? Zeit zusammen verbringen? Gamen? Sex? Wenn das klar ist, können die jungen Leute respektvoll aufeinander zugehen», sagt er.

 

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