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Montlingen

Das Geld bleibt die grösste Sorge

Seraina Hess Kommentare

Eine detaillierte Anleitung, den Markt im Iran für sich zu entdecken: Das war der Exportdialog bei der Bezema AG. Eine Antwort blieben die Referenten den Rheintaler Unternehmern aber schuldig – jene auf die Frage nach der besten Lösung zur Zahlungsabwicklung.

MONTLINGEN. Es ist nicht leicht, Gemeinsamkeiten zwischen der Rheintaler Wirtschaft und jener im Iran zu finden – das beginnt bei Meeting-Gepflogenheiten und endet beim Einfluss der Regierung auf Geschäfte. Und doch war die islamische Republik am Dienstagabend ein Thema, das über 80 Unternehmer der Region an die Veranstaltung des Arbeitgeberverbandes, der Industrie- und Handelskammer und Switzerland Global Enterprise zog.

Gelockerte Sanktionen

Gründe dafür lieferten die fünf Referenten von Bund, Unternehmensberatung und Wirtschaft: Zum einen sei die Rheintaler Industrie eine der exportstärksten der Schweiz, zum anderen habe die Politik im Iran jüngst neue Türen geöffnet. Nachdem der Staat seine Verpflichtungen im Rahmen des Nuklearabkommens erfüllt hatte, sind die Sanktionen von UNO, EU und auch der Schweiz im Januar stark gelockert worden. So beispielsweise Handels- und Investitionsverbote mit Gütern in der Öl- und Gasbranche, Geldtransfer-Beschränkungen oder Versicherungsverbote.

Vergleichbar mit der DDR

Doch mit schnellem, leicht verdientem Geld könne auch in diesem Land, dem die stärkste Wirtschaftsentwicklung im Nahen und Mittleren Osten vorhergesagt wird, nicht gerechnet werden. Wie Suhail El Obeid von der Förderungs-Organisation Switzerland Global Enterprises erklärte, sei es vor allem die Unsicherheit, die viele Unternehmer von Geschäften abhält. «Die Sanktionen verändern sich dauernd, was viel Zeit kosten kann. Würde beispielsweise Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt, würde die Situation von heute auf morgen eine andere.» Andreas Schweitzer, als Gründer der Investment- und Beratungsfirma Arjan Capital Ltd., selbst im Iran tätig, sagte: «Geschäfte im Iran setzen drei Dinge voraus: Zeit, Geld und gute Nerven.»

Das Land sei durch die jahrelange Abschottung vergleichbar mit der ehemaligen DDR: Wirtschaft und Gesellschaft hätten sich parallel zum Westen entwickelt, was sich heute zwar in bestens ausgebildeten Ingenieuren und Ärzten äussere, aber eben auch in einer den Europäern völlig fremden Führungskultur. Der wichtigste Ratschlag der beiden Referenten: Auf den Geschäftspartner kommt es an, und darauf, dessen Hintergrund und Beziehungen genaustens zu kennen.

Keine mustergültige Lösung

Der Abend lieferte zwar Zahlen, Dresscode-Tips und sogar eine Anleitung für Abklärungen beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Wie genau der Geldtransfer zwischen der Schweiz und dem Iran gelöst wird, obschon die meisten Schweizer Banken diesen verweigern, blieb weitgehend ungeklärt. Kuno Brändle von der gastgebenden Bezema AG sprach in seinem Beitrag von einem Agenten, der den Zahlungsverkehr seines Arbeitgebers teilweise über die Türkei oder die Arabischen Emirate lenke – eine mustergültige Lösung fehlte jedoch, worauf vor allem jene Zuhörer, die schon lange einen Geschäftsbeziehungen in den Iran pflegen, gehofft hatten. So wie etwa Markus Eberle von der Lässer AG. 2003 verkaufte die Diepoldsauer Firma die letzte Stickmaschine in den Iran, der eine starke Textilindustrie beheimatet. «Nach der Lockerung der Sanktionen steigt die Nachfrage wieder, aber wir können nicht verkaufen, solange der Geldfluss nicht geregelt ist.» Auch Claudio Mazzolini von der Jota AG erwartete eine Art Erfolgsrezept. Irgendwie gelinge es dem Rüthner Medizinaltechnik-Betrieb zwar immer, Zahlungen abzuwickeln – wie genau, wollte aber auch er nicht sagen.