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Das gab es schon immer

Max Matt, Altstätten Kommentare

Quelle: Rheintalischer Allgemeiner Anzeiger 1859 - 1877

Gewitterstürme, Hitze, Hagel und heftige Wolkenbrüche gehören zu unserem Klima. Alle Jahreszeiten überraschen mit ungewöhnlichen Wettervorkommnissen. Eine Auswahl der typischen Sätze zur Witterung, die der Allgemeine Anzeiger von Altstätten vor 150 Jahren schrieb, findet auch heute gerne Anwendung. Selbst Fachleute, Klimawandel hin oder her, bedienen sich damit – «das gab es noch nie – wirklich?»

Frühling: Im sogenannten Wonne- und Blütenmonat Mai so viel Schnee, das ist eine seltene und unwillkommene Erscheinung. – Wie aus Speyer berichtet wird, ist dort der Wasserstand des Rheins so niedrig, wie sich die ältesten Leute dessen nicht erinnern können.

Sommer: So ein Gewitter in dieser Stärke hat man noch nie erlebt. – Die schwersten Regen-fälle dieses Jahrhunderts haben den indischen Unionsstaat Westbengalen heimgesucht. – Hin und wieder wird die Behauptung aufgestellt, es sei seit 60 Jahren nie wieder so heiss gewesen, wie in den letzten Tagen. – So einen furchtbaren Sturm haben die ältesten Bewohner dieser Gemeinde noch nie erlebt. – Dies Jahr wird das obere Rheintal von Hagelschlägen in so ausserordentlicher Weise heimgesucht, wie es seit Menschengedenken kaum je einmal der Fall war.

Herbst: Die ältesten Leute erinnern sich nicht, je einen so kleinen Wasserstand der Donau in dieser Jahreszeit gesehen zu haben. – Es wird gemeldet, dass sich die ältesten Leute keines solchen Witterungs- und Temperaturwechsels zu erinnern wissen. – Kein Mann in Schaff-hausen und Umgebung könne sich eines solchen frühen Herbstfrostes erinnern.

Winter: Das warme Wetter, das wir seit einiger Zeit im Dezember haben, ist für diese Jahreszeit wirklich sehr auffallend. – Ein Föhnorkan im Ja- nuar, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr hatten, tobte vom Montag bis zum Mittwoch. – Im Januar viel Schnee wie seit Menschengedenken nicht. – Der Schneefall in den Hochgebirgen in letzter Woche war so stark, dass laut Berichten aus Bünden kein lebender Mensch von einer solchen Schneemasse zu erzählen weiss. – Seit Jahren hatte man in der Schweiz keinen so starken Schneefall mehr wie gegenwärtig. – Das Land Palästina hat einen harten Winter erlebt wie er dort seit Jahrhun-derten nicht vorgekommen ist.

Zu aussergewöhnliche Wetterlagen schreibt ein Meteorologe, man muss das Wetter nehmen, wie es gerade kommt. Beeinflussen oder gar kontrollieren kann die Menschheit das Wetter nicht, und zwar wegen der riesigen Energien, die dazu nötig wären.

Max Matt, Altstätten