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  • Erik hat mit der Ausbildung zum Bauspengler die richtige Wahl getroffen. «Ich gehe mit einem guten Gefühl zur Arbeit.» Ein Bauspengler erledigt alles, was an einer Liegenschaft mit Bleich eingekleidet werden muss.
    Erik hat mit der Ausbildung zum Bauspengler die richtige Wahl getroffen. «Ich gehe mit einem guten Gefühl zur Arbeit.» Ein Bauspengler erledigt alles, was an einer Liegenschaft mit Bleich eingekleidet werden muss. (Bild: hb)
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  • Erik hat mit der Ausbildung zum Bauspengler die richtige Wahl getroffen. «Ich gehe mit einem guten Gefühl zur Arbeit.» Ein Bauspengler erledigt alles, was an einer Liegenschaft mit Bleich eingekleidet werden muss.

«Büroarbeit ist nichts für mich»

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#Moneytalk: Erik befindet sich im zweiten Lehrjahr als Bauspengler. Ein Beruf mit Nachwuchssorgen. Obwohl die handwerkliche Tätigkeit viel Abwechslung bietet – genau das, was Erik gefällt.

Name: Erik Alter: 16 Wohnort: Altstätten Beruf: Lernender Bauspengler EFZ

Morgens um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag von Erik in der grossen, luftigen Werkstatt bei Meile Metallbau in Altstätten. Der 16-Jährige steht an einer Werkbank, im Hintergrund surrt die dominante Abkantmaschine. Sein Job besteht darin, Blech in die richtige Form zu bringen. Spengler gelten als Künstler unter den Handwerkern. Nebst ihrem Können, mit dem sie Gebäude vor Sturm, Wasser, Hagel und Blitz schützen, sind sie auch für die Verschönerung einer Liegenschaft zuständig.

Wichtigstes Kriterium: schwindelfrei
Auf der Baustelle ist Erik Alaimo körperlich und mental gefordert, da er bei jeder Witterung im Freien arbeitet und sich auf Dächern und auf Gerüsten in luftiger Höhe bewegt. «Damit habe ich keine Probleme», sagt Erik, der bereits spektakuläre Arbeitsplätze kennenlernte. «Meine erste Baustelle war auf der Katholischen Kirche Altstätten.» Er verspürt Respekt, doch mittlerweile ist die Arbeit in der Höhe Alltag geworden. Während einer Pause nimmt er sich gern Zeit, die Aussicht zu geniessen, wie beispielsweise auf der Baustelle beim Restaurant Ziel in Altstätten. «Wenn du über das ganze Rheintal blicken kannst, ist das super», sagt er.

Lernende sind gesucht
Eigentlich wollte Erik Metallbauer lernen. Auf Anfrage bei Meile Metallbau erfuhr er, dass die Firma zwar Lernende ausbildet, jedoch als Bauspengler. Ein Beruf, der ihm nicht bekannt war. Auch wenn er im Ausgang nach seiner Ausbildung gefragt wird, erntet er verwunderte Blicke. «Viele haben keine Ahnung vom Spenglerberuf», sagt der Altstätter. «Die Leute fragen sich nicht, wer die Rinne am Dach montiert hat.» Beim Schnuppern gefielen dem damaligen Realschüler die aufgetragenen Arbeiten in der Werkstatt sogleich. «Das ist etwas für mich» entschied er und bewarb sich erfolgreich. «Ich kann nicht die ganze Zeit im Büro sitzen, da wird es mir langweilig.» Erik ist derzeit der einzige Lernende bei Meile Metallbau, obwohl Inhaber Christof Meile lieber noch mehr junge Berufsleute ausbilden würde. Doch in den letzten Jahren ging das Interesse zurück. «Wir haben wenig Schnupperlehrlinge und erhalten zu wenig Bewerbungen, um jedes Jahr einen Lernenden anstellen.» Vor zehn Jahren war noch jedes der drei Lehrjahre besetzt. Gründe vermutet Christof Meile beim Image der handwerklichen Berufe. Strenge Arbeit und schmutzige Hände – diese Meinung ist weit verbreitet und steht dem Trend der Büro-Lehrstellen gegenüber, die als attraktiver und bequemer wahrgenommen werden. Wobei sich der Beruf des Spenglers wandelt und «nicht alles auf das Dach getragen werden muss.» Hebemittel kommen zum Einsatz, um die Berufsleute zu entlasten. In der Werkstatt ist der Umgang mit modernen Maschinen gefragt wie auch gestalterische Feinarbeit, bei der sich die Kreativität entfalten lässt.

Der Beruf rüstet sich für die Zukunft
Einen Tag pro Woche besuchen die Lernenden die Berufsschule GBS St. Gallen. In überbetrieblichen Kursen machen sich die jungen Berufsleute vertraut mit verschiedenen Arbeitstechniken, den Umgang mit Werkzeug, Maschinen und Werkstoffen. Auch wenn sie deutlich in der Unterzahl sind, so gibt es auch Frauen, die sich in diesem handwerklichen Beruf ausbilden lassen. Wer die Ausbildung zum Bauspengler anpackt, darf von positiven Perspektiven ausgehen. Fachleute sind rar und trotz der Verwandtschaft zum Dachdecker wird der Beruf des Spenglers nicht abgelöst. Vielmehr entwickelt sich das Berufsbild weiter, um auch komplexere Aufgabenstellungen auf dem Dach zu bearbeiten. Deshalb dauert die Lehre ab nächsten Sommer neu vier Jahre statt wie bisher drei Jahre.

Voraussetzungen:
Räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Verständnis und gute Leistungen in Mathe und Geometrie. Persönlichkeit zählt im Auftreten gegenüber Kunden, Durchhaltewillen ist nötig beim Arbeiten im Freien. Spengler arbeiten nach Plan, Skzizzen oder eigener Vorstellung. Die Lehre als Bauspengler dauert ab 2020 vier statt wie bisher drei Jahre. Der Durchschnittslohn beträgt im ersten Lehrjahr 750 Franken.

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