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Der rechte Flügel der Maschine touchierte den Rheinvordamm, die «Festung» drehte sich und stiess mit der Nase in den Damm.
Der rechte Flügel der Maschine touchierte den Rheinvordamm, die «Festung» drehte sich und stiess mit der Nase in den Damm. (pd)

Bruchlandung im Rheinvorland

Werner Wittwer Kommentare

Mit der Bombardierung von Schaffhausen, Stein am Rhein, Zürich und Basel kam der Zweite Weltkrieg in die Schweiz. 1945 landeten bis zum 20. April zwanzig amerikanische Militärflugzeuge in der Schweiz. Eine fliegende Festung landete am 25. Februar in Diepoldsau.

Ab Oktober 1942 begannen die Amerikaner, die 8. Luftflotte in England zu stationieren. Zuvor mussten in Südostengland die vielen Flugfelder gebaut werden. Sie wiesen alle dasselbe Muster auf. Im Februar 1945 war nach der gescheiterten Ardennenoffensive die deutsche Wehrmacht im Osten, Süden und Westen auf dem Rückzug. Die deutschen Grossstädte wurden durch die Bombardierungen grösstenteils zerstört. Die Innenstädte von Hamburg (25. Juli bis 3. August 1943) und Dresden (13. bis 15. Februar 1945) wurden durch den Feuersturm der Bomber ausgelöscht.

30 Einschusslöcher

Die in Diepoldsau gelandete fliegende Festung kam aus einem Verband von 1500 Bombern von einem Angriff auf München. Sie flog in der Vorhut, um Metallstreifen abzuwerfen, die die Radaranlagen der Deutschen stören sollten. Durch Jagdfliegerbeschuss wurde sie schwer beschädigt. Im Funkraum wurden 30 Einschüsse gezählt, was den Funker das Leben kostete. Zudem wurde der Kugelturmschütze schwer verletzt. Vier weitere Besatzungsmitglieder wurden leicht verletzt. Um die verwundeten Kameraden zu retten, entschloss sich der Pilot, in die neutrale Schweiz abzudrehen.

Mit Nase in Rheindamm

Die Festung flog von Osten in die Schweiz ein. Der Augenzeuge Linus Wüst, 1934, Montlingen, erinnerte sich: «Ich hörte ein tiefes Brummen eines Flugzeuges im Norden. Gleichzeitig sah ich, dass das tief fliegende und scheinbar beschädigte Flugzeug vom Kummenberg aus beschossen wurde.» Nach der Landung kam für die Besatzung sofort die Frage: «Wo sind wir?» Sie hatten Glück gehabt, der rechte Flügel touchierte den Rheinvordamm, die Festung drehte sich ab und stiess mit der Nase in den Damm. Wäre die Maschine 200 Meter weiter gerollt, wäre sie auf feindliches Gebiet geraten.

Durch einen Grenzwächter wurde der Besatzung bestätigt: «Ihr seid in Switzerland.» Bertha Roth war eine der Ersten auf der Unfallstelle. Sie kümmerte sich unverzüglich um den schwerverletzten Kugelturmschützen, bis ein Arzt eintraf. Danach wurde der Schwerverletzte ins Spital Altstätten überführt.

Am selben Tag gingen zwei weitere B 17G in Ermensee und Müswangen nieder. Pilot Charles R. Abplanalp wurde bei der Landung in Müswangen getötet.

Junge Besatzung

Die Besatzung war zwischen 19 und 25 Jahre alt und setzte sich zusammen aus: Pilot: 2nd Lt Donald D. Proctor (verletzt); Copilot: 2nd Lt William W. Buzek (verletzt); Navigator: F/O Dominic J. Christopher (verletzt); Bombenschütze: Francis Bush; Ingenieur: Louis Dobaran; Funker: Robert S. Shepard (getötet); Kugelturmschütze: S/Sgt Marbury L. Councell (schwer verletzt); Rumpfschütze: Joseph F. Aull; Heckschütze: S/Sgt William R. Fiene (verletzt).

Im Mai 1982 besuchten Francis Bush, Marbury Councell und William Fiene Diepoldsau. Der damals schwer verletzte Marbury Councell besuchte die Absturzstelle mit seiner Frau Carolyn im Mai 1999 noch einmal.

Das Flugzeug war eine Boeing B 17 G, «Fliegende Festung», der 8. AF, 96. BG, stationiert in Snetterton Heath (East Anglia, GB), Nummer 43-39018 mit dem Namen «Dinah Mite», hergestellt bei Boeing Airplane Company, Seattle, WA, USA. Die technischen Daten: Erstflug: 28. Juli 1935, Indienststellung: April 1938, Produktionszeit: 1936 bis 1945, Stückzahl: 12 731, Länge: 23 m, Spannweite: 32 m, Antrieb: vier Wright Cyclone R-1820 neun Zylinder Sternmotoren mit Abgasturbolader mit je 1200 PS, Höchstgeschwindigkeit: 462 km/h, Reichweite: 7110 km (ohne Bombenlast), Besatzung: zehn Mann, Bewaffnung: 13 Browning-M2-MGs, Kal. 50.

Quellen: Bundesarchiv Schweiz; «Der Rheintaler» vom 7. Mai 1982 und 7. Mai 1999; www.wikipedia.org; http://96bg.org; http://swissinternees.tripod.com; Haven, Heaven and Hell, The United States Army Air Force Aircraft and Airmen interned in Switzerland during WW II

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