rheintaler.ch

Gleitschirmfliegen über den Bergen – ein Ausdruck von Freiheit.
Gleitschirmfliegen über den Bergen – ein Ausdruck von Freiheit. (Bild: depositphotos/Perreten)

«Betet, freie Schweizer, betet»

Renato Tolfo Kommentare

So heisst es in der ersten Strophe der Nationalhymne. Es gibt Freiheit als äussere Gegebenheit. In diesem Punkt dürfen wir sehr grosse Freiheit geniessen, auch wenn uns durch Massnahmen zur Covid-19-Eindämmung gewisse Einschränkungen auferlegt sind. Die Meinungs- und Religionsfreiheit gehören in der Schweiz zu den Grundrechten. Wir dürfen uns frei bewegen und wir haben mit der direkten Demokratie ein politisches System, das uns die grösstmögliche Freiheit garantiert. Wir geniessen auch marktwirtschaftliche Freiheiten. Doch fühlen sich alle Menschen hier frei?

Was Freiheit ist oder sein sollte, dazu schreibt Paulus im Galaterbrief: Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen! Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe. Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst, in dem Gebot: «Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst.» Paulus spricht hier von einer inneren Freiheit, die einem niemand nehmen kann, selbst dann nicht, wenn es um die äussere Freiheit nicht so gut steht wie bei uns in der Schweiz – oder wenn man gewisse Freiheiten nicht mehr so ausleben kann.Paulus meint Freiheit aus dem Glauben an Jesus Christus, der die Freiheit zur Nächstenliebe meint und der festen Überzeugung ist, dass sich diese Liebe zu leben immer lohnt.

Es geht um die Hoffnung und den Glauben, dass die Nächstenliebe einen Unterschied ergibt in dieser Welt, dass sie spürbare Auswirkungen hat auch auf die äussere Freiheit. Dann nämlich, wenn sich ein Zusammenleben in einem Land von den Werten, die mit dieser Nächstenliebe im Zusammenhang stehen, leiten lässt. Daraus resultiert ein Miteinander und Füreinander, bei dem alle ihre speziellen Stärken und Begabungen einbringen können und mit ihren Schwächen aufgefangen und verstanden werden.

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es keine Rolle mehr spielt, woher jemand kommt, welches Geschlecht, welchen Status oder welches Alter jemand hat: Da ist weder Grieche noch Jude, weder Schweizer noch syrischer Flüchtling, noch eingewanderter Ausländer mit gutem Job, weil dringend benötigte Fachkraft, da ist weder leistungsorientierter Mitarbeiter noch Bezüger von IV oder AHV und Ergänzungsleistungen, sondern … : Wir sind dann in allererster Linie Menschen. Ein solches Zusammenleben wird diesem Land und jedem Einzelnen, der hier lebt, weiterhin mehr als nur gut tun. Es bewirkt Freiheit – innerlich und auch äusserlich.

Renato Tolfo

Pfarrer in Rebstein

Folge uns: