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Beliebte Baby-Adresse fällt weg

Hildegard Bickel Kommentare

Viele Rheintalerinnen schätzen die Frauenklinik im Spital Heiden. Ihre Schliessung hat Folgen.

Hildegard Bickel

Mehr als die Hälfte der Frauen, die letztes Jahr in Heiden ihre Babys zur Welt brachten, kamen aus dem Rheintal. Exakt beträgt der Anteil 53,3 Prozent. Das ist beachtlich, liegt das Spital Heiden doch für Rheintalerinnen ausserkantonal. Die Vorteile überwiegen: Heiden ist von vielen Gemeinden im Rheintal rasch erreichbar, das Spital ist von übersichtlicher Grösse und wirbt mit enger medizinischer und pflegerischer Betreuung um werdende Eltern.

«Gebärende aus dem Rheintal sind für das Spital Heiden durchaus von hoher Wichtigkeit», sagt Alain Kohler, Leiter Kommunikation Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden. Die Auslastung der Frauenklinik sei zuletzt gestiegen. «Sie ist jedoch weit davon entfernt, zu rentieren.»

Da mit der Schliessung des Spitals per Ende Jahr nun auch das Ende der Frauenklinik eingeläutet wird, kündet sich eine Verlagerung der Spitalwahl an. Vor 20 Jahren standen werdenden Müttern im Rheintal mit Altstätten, Heiden, Grabs und St. Gallen noch vier Spitalstandorte mit Geburtsabteilungen in näherer Umgebung zur Verfügung. Künftig dürfte die Wahl auf St. Galler Kliniken oder Grabs fallen. «Wir rechnen mit einem moderaten Anstieg der Geburten im Spital Grabs», sagt Andrea Bachmann, Leiterin Kommunikation der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland. Deutlich spürbar war die Schliessung der Geburtenabteilung in Walenstadt Anfang 2020. Ein Drittel der Geburten des Spitals Walenstadt finden nun in Grabs statt. Im Januar meldete Grabs einen Geburtenrekord. Entscheiden sich ab nächstem Jahr vermehrt auch Rheintalerinnen für dieses Spital, sei man darauf vorbereitet. Mit dem Neubau verfüge Grabs infrastrukturell und personell über ausreichend Kapazitäten, sagt Andrea Bachmann. «Seit Jahren haben wir unser Geburtshilfe-Team parallel zu den stetig steigenden Geburtenzahlen ausgebaut. Dies werden wir bei Bedarf fortführen.»

Möglicherweise rückt auch das Spital Herisau in die engere Auswahl. Dazu möchte Peter Böhi beitragen, Gynäkologe mit Praxis in Altstätten und Chefarzt der Frauenkliniken Heiden sowie Herisau. Er wird sich nach der Schliessung des Standorts Heiden auf die Weiterentwicklung in Herisau konzentrieren. «In diesen schwierigen Zeiten ist es für mich klar, dass ich zur Kontinuität und Stabilität beitragen will und vielleicht auch ein bisschen Heidler Geist nach Herisau bringen kann.»

Dass Heiden geschlossen wird, nennt er einen «spirituellen» Verlust. «Wir verlieren eine aussergewöhnliche Geburtshilfe, die den Frauen Intimität und Selbstbestimmung bot, ohne dass sie auf das Angebot eines Akutspitals verzichten mussten.» Nachdem das Spital Heiden bereits 2017 nach einer Kündigungswelle in Schieflage geriet, ist nun der wirtschaftliche Druck zu stark und das Ende besiegelt.

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