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Heerbrugg

Die Symbole im Leiterspiel animieren die Kursteilnehmer zu sprechen. Spielerisch lernen sie so Deutsch.
Die Symbole im Leiterspiel animieren die Kursteilnehmer zu sprechen. Spielerisch lernen sie so Deutsch. (Bild: Monika von der Linden)

Beim Spielen fast nebenbei Deutsch lernen

Monika Von Der Linden Kommentare

Seit 25 Jahren unterrichtet Susanne Büchler Fremdsprachige in Deutsch. Dabei setzt sie auf spielerisches Lernen. Die dazugehörigen Lehrmittel gibt sie selbst heraus.

Start: Der Würfel zeigt an, dass der Spieler seine Figur auf das Feld vorrücken soll, auf dem ein durchgestrichenes Handy abgebildet ist. Das Zeichen soll er in Worte fassen: «Kein Handy», sagt er.

Susanne Büchler ist an der Reihe. Sie setzt ihre Figur auf das Symbol eines Tablets. Sie sagt: «Ein Tablet.» Weil sie die Auf­gabe gelöst hat, darf Büchler die Leiter zur nächsten Ebene erklimmen. Ein im Spiel sichtbarer Erfolg.

Was aussieht wie ein Kinderspiel ist das Lehrmittel «Spiele und Kärtchen – fixfertig!». Susanne Büchler hat es herausgegeben für Menschen, deren Mutter­sprache nicht Deutsch ist, sie die Sprache aber erlernen wollen.

Die Bedeutung der Symbole richtig artikulieren zu können, ist ein Fortschritt eines Deutschkursteilnehmers. Als nächstes lernt er vielleicht, die Sätze «Ich habe kein Handy» oder «Ich tippe auf dem Tablet» zu formulieren. Bis das Leiterspiel zu Ende ist und jemand gewonnen hat, hat jeder Kursteilnehmer einige Symbole benannt. Alle haben dabei wohl Fehler gemacht, einen Mitspieler korrigiert, ihm auf die Sprünge geholfen oder sich helfen lassen. Wie im Kinderspiel haben sie gelacht und miteinander gesprochen. Sie haben etwas mehr über die deutsche Sprache erfahren und können sie ein wenig besser anwenden.

Spielen sei das Herzstück der Methode, die den Lehrmitteln des Büchler Verlags zugrunde liege, sagt Susanne Büchler. Es gehe nicht darum, Grammatik zu pauken, sondern möglichst schnell sprechen zu lernen.

Der Erfolg der Kursteilnehmer ist ausserdem anhand der erreichten Lernziele messbar. Zum Beispiel sollen sie sich am Ende der ersten Lektion des Grundkurses (Niveau A1) begrüssen und vorstellen können. Wer den Kurs abgeschlossen hat, kann sich mündlich ausdrücken und andere verstehen. Das erworbene Wissen ist eine Basis, auf der man sich im Alltag verständigen kann. Um erwerbstätig zu sein, ist es nötig, einen Aufbaukurs zu absolvieren. Darüber hinaus lernen die Teilnehmer, welche Verhaltensregeln sie in der Schweiz unbedingt einhalten sollten.

Als Susanne Büchler 1993 ­begann, Fremdsprachige in Deutsch zu unterrichten, gab es kein in ihren Augen geeignetes Lehrmittel. So entwickelte sie selbst welche. 2001 gründete sie mit einer Kollegin einen Verlag. Heute führt Susanne Büchler ihn allein. «Weil sich Lehrkräfte immer stark eingebracht haben, sind die Materialien in der Praxis erprobt», sagt sie.

Monika von der Linden

«Spiele und Kärtchen – fixfertig!» ist im Büchler Verlag, Heerbrugg, erschienen.