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Der Synthpop-Posterknabe meldet sich mit zuckersüssen Synthesizerklängen zurück.
Der Synthpop-Posterknabe meldet sich mit zuckersüssen Synthesizerklängen zurück. (Noëlle Guidon)

«Balgachertum hat mir gutgetan»

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Alexander alias Crimer hat Neues am Start: Nach Schweizer Hitparadenplatzierungen und dem Preis für das beste neue Schweizer Musiktalent 2018 erscheint mit «Fake Nails» heute seine zweite Langspielplatte. Wir haben beim Musiker mit Balgacher Wurzeln nachgefragt, was die Hörer erwartet.

Alexander, dein neues Al­bum wurde in London aufge­nommen, warum?
Ein Album zu produzie­ren ist immer ein Krampf. Ich schreibe alle meine Lieder selbst, aber für einen letzten Schliff und etwas Weltperspek­tive bin ich immer um ein extra Paar Ohren froh. Und in London fand ich einen Produzenten, mit dem ich mich super gut verstand und der tolle Ideen hatte. Das Ganze hatte jedoch Null mit Glamour zu tun! Alles war un­glaublich grau und es hat die ganze Zeit geregnet. Ausserdem hat alles in einem kleinen Rei­henhäuschen stattgefunden. Da wohnte der Produzent zusam­men mit seiner Familie. Und in seinem Wohnzimmer standen ein paar verstaubte Synthesizers rum.

Ihr habt das Ganze also in einem Wohnzimmer produ­ziert?
Genau. Irgendwann sagte der Produzent: «Morgen gehen wir in ein anderes Studio, um deinen Gesang aufzunehmen». Endlich ein richtiges Londoner Studio, dachte ich! Am Tag darauf sind wir dann aber einfach wieder zu jemandem nach Hause, der in seinem kleinen, privaten Gärt­chen ein wirklich winziges Häuschen stehen hatte – und da drin ein Mikrofon. Zuerst dach­te ich, es sei ein schlechter Scherz, doch diese Leute hatten tatsächlich bereits riesige Mu­sikgrössen wie beispielsweise Mick Jagger oder die Foo Figh­ters produziert. Da merkte ich, die haben einfach keinen Platz in London, da ist man in der Schweiz ziemlich verwöhnt.

Ist dir während dieser Pro­duktion auch ein Track gelungen, auf den du speziell stolz bist?
Ich verstecke mich gerne hinter melancholischen Tönen. Zu diesen kann ich leichter stehen und auch live auf der Bühne sind sie für mich einfacher darzubieten. Deshalb bin ich dann auch sehr stolz darauf, wenn ich es mal schaffe, etwas fröhlichere Lieder zu schreiben. Ein solcher Track ist «Never Enough». Der Song klingt fröhlich – die Geschichte dahinter ist aber eigentlich ziemlich bitter.

In dem Song singst du davon, dass du deine Webcam anzünden möchtest.
Exakt, denn mit 15 Jahren lernte ich online eine sehr nette, ext­rem attraktive jun­ge Dame kennen und chattete aus­führlich mit ihr. Ich gab ihr unter ande­rem via Webcam auch Zugang zu mei­nem Zimmer. Ich habe nie re­soniert, dass sie ihre Webcam nicht anschalten wollte. Erst Jahre später dämmerte mir mit Schrecken, dass hinter dem Computerbildschirm auf der an­deren Seite wohl keine hübsche Dame, sondern eher ein wüster Internet-Grüsel steckte. Sehr persönlich also und auch eine Art Abrechnung.

Du hast als Künstler schon ei­niges erlebt und jetzt im Aus­land produziert. Wie viel Bal­gach steckt noch in deiner Musik?
Letztlich spielte ich in Vaduz und traf einen ehemaligen Klas­senkameraden aus der Kanti­zeit. Er meinte, ich sei noch genau der gleiche «alte Depp» wie schon zu Schulzeiten. Das nahm ich wirklich als schönes Kompliment an. Es freute mich, denn ich glaube an den Balga­cher, an den Rheintaler Flair. Dieses bodenständige Balga­chertum hat mir im ganzen manchmal irren Musikzirkus gut getan.

 

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