rheintaler.ch

Rheineck

Virtuose Musik in gediegenem Rahmen: Das Brass Quintett St. Gallen musizierte im Löwenhof.
Virtuose Musik in gediegenem Rahmen: Das Brass Quintett St. Gallen musizierte im Löwenhof. (Bild: mp)

Bänkelsängerlieder und Dixieland

Max Pflüger Kommentare

Leichte Musik aus sechs Jahrhunderten verzauberte die Zuhörerinnen und Zuhörer im Löwenhof: Vergnügliche und unterhaltsame Open-Air-Abendmusik bei herrlicher Witterung.

Max Pflüger

Das Brass Quintett St. Gallen spannte den Bogen mit Claude Le Jeune (1530 bis 1600) vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts mit zwei kurzen Kompositionen von Jonas Länzlinger (geboren 1995). Es erklang ein abwechslungsreicher Mix von leichten, klassischen Werken vor der Pause und modernen Stücken bis hin zu Ragtime- und Dixie-Rhythmen nach der Pause. Für den schönen Samstagabend verantwortlich zeichnete das Brass Quintett St. Gallen mit Gregory Flynn und Peter Moriggl (Trompeten), Michel Huff (Horn), Alain Pasquier (Posaune) und Karl Schimke (Tuba). Alle fünf sind Solisten des Sinfonieorchesters St. Gallen und musizieren seit vielen Jahren in dieser Formation.

Für die Löwenhofserenade der Rheintalischen Gesellschaft für Musik und Literatur haben sie ein buntes Programm mit weniger bekannten Komponisten und selten gespielten Werken zusammengestellt, die die Musiker abwechselnd mit kurzen Hinweisen erläuterten und mit Anekdoten bereicherten.

Vier Bänkelsängerlieder aus dem 17. Jahrhundert eröffneten die Vorträge. Das seien zur Zeit der Entstehung Gassenhauer gewesen, wusste Karl Schimke. Bei einer Aufführung damals hätte das Publikum mitgesungen und mitgesummt. Entsprechend eingängig kamen die Melodien daher. Spannend war auch der Aufbau eines Werks mit kurzen Melodien, umrahmt vom wiederkehrenden Refrainthema in «Revecy venir du printemps» von Claude Le Jeune. Mit der viersätzigen Sonatine von Eugène Bozza (1905 bis 1991) schloss der erste Konzertteil mit einem modernen Werk, das witzig daherkam und vor allem den drei tiefen Blechbläsern viel Gelegenheit gab, ihre instrumentale Virtuosität zur Geltung zu bringen.

Im zweiten Teil bestätigten die Bläser ihre technisch perfekte Beherrschung der Instrumente und ihre Virtuosität. Auch der Humor kam bei den Interpretationen nicht zu kurz. Häufig ging bei überraschenden Klangbildern und Rhythmen ein Schmunzeln durch die Zuhörerreihen. Und mit den letzten Stücken des Abends offenbarten die fünf Musiker dann auch ihre jazzige Facette. Mit hervorragend für Brassquintett arrangierten Ragtime- und Dixie-Rhythmen von Scott Joplin, Fats Waller, George Meyer und Enrique Crespo sowie Henry Mancinis «Pink Panther» erspielten sie sich tosenden Applaus.

Besonders erwähnt werden soll jedoch abschliessend noch das jüngste Werk des Abends: Aus den «Städte-Impressionen» des jungen St. Galler Trompeters und Komponisten Jonas Länzlinger führte das Quintett die kurzen musikalischen Bilder «Wellenspiel» und «Strassenlärm» auf. Jonas Länzlinger wurde 1995 geboren und wuchs teilweise in Rheineck auf. Seine lautmalerische Komposition für Brassquintett schuf er als Maturaarbeit an der Kantonsschule St. Gallen.