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Auswandern während der Pandemie

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Tanja hat mitten in der Pandemie ihre Koffer gepackt und ist im Juli 2020 nach Spanien ausgewandert. Sie spricht darüber, wie es ist, von zu Hause wegzugehen und wie sich das Leben in Barcelona vom Alltag im Rheintal unterscheidet.

Name: Tanja Alter: 24 Wohnort: Barcelona / Marbach Beruf: Kauffrau

Warum bist du ausgewandert?
Mein Wunsch, die Welt zu bereisen, besteht schon sehr lange. Nach der Ausbildung unternahm ich eine längere Reise nach Kanada und Kolumbien. Danach nahm ich eine Arbeitsstelle als Animateurin in einem Resort in Fuerteventura an und arbeitete bei derselben Hotelkette während einer Winter-Saison in Arosa. Danach wusste ich, dass ich noch nicht bereit war, «nach Hause» zu kommen und mein gewohntes Leben im Rheintal wieder aufzunehmen. Ich wollte unbedingt mehr von der Welt sehen und das nicht nur als Touristin. Zufällig hat mir genau zu diesem Zeitpunkt die Firma, bei der ich vor meiner Reise gearbeitet habe, einen Job in Barcelona angeboten. Das Angebot passte zu meinen Plänen und ich stimmte zu. Ausserdem wollte ich schon immer einmal in einer Grossstadt wohnen. Nun probiere ich, hier ein Leben aufzubauen und lerne, auf eigenen Beinen zu stehen. Ob dieses «auswandern» eine endgültige Entscheidung ist, steht noch nicht fest.

Was überzeugt dich an Barcelona?
In erster Linie das Jobangebot. Ich muss dazu aber sagen, dass mich Barcelona auch sonst überzeugt hätte. Ich habe auf meiner Reise durch Kolumbien Spanisch gelernt und wollte die Sprache unbedingt vertiefen. Zudem ist Barcelona eine sehr internationale Stadt. Hier leben viele Expats, Studenten und «Auswanderer». Ich bin also keine Ausnahme.

Beschreibe uns, was dir an der Stadt gefällt.
Das Meer vor der Haustüre, das mediterrane Klima, das Grossstadtfeeling – es ist von allem etwas dabei. Wenn ich meine Ruhe möchte, packe ich mein Strandtuch und gehe ans Meer, ist mir nach Natur zumute, gehe ich in einen der vielen Parks spazieren oder picknicken. Wenn es doch mal etwas Turbulenteres sein soll, hat Barcelona etliche Bars und normalerweise ein unglaubliches Nachtleben. Ich sitze nie nur rum, ohne zu wissen, was ich heute unternehmen könnte.

Was vermisst du an der Schweiz?
Ganz klar meine Familie und Freunde. Meine sozialen Kontakte möchte ich nicht wegen der physischen Distanz verlieren. Es gibt auch ganz banale Sachen, die ich zuvor nie geschätzt oder als Luxus erkannt habe. Bestes Beispiel: trinkbares, sauberes Hahnenwasser. Es ist absolut nicht lustig, durstig zu Hause zu sein, weil man wieder einmal vergessen hat, Wasser zu kaufen. Ich schleppe ständig Flaschen herum und lasse auch ziemlich viel Geld dafür liegen. Der ganze Plastikmüll gar nicht zu erwähnen. Ausserdem fehlt mir manchmal die Schweizer Infrastruktur und die Organisation. Spanische Behördengänge muten an, als würde man Lotto spielen. Bist du an den richtigen Mitarbeiter geraten, klappt es, sonst halt nicht.

Was ist an Barcelona besser als an der Schweiz?
Auf jeden Fall die grenzenlosen Möglichkeiten. In Barcelona liegt dir die Welt zu Füssen. Das lässt sich schwer mit dem Rheintal vergleichen. Was die Schweiz definitiv nicht bieten kann, ist das Meer.

Welche Tipps würdest du jemandem geben, der auswandern möchte?
Einfach machen! Du kannst nichts verlieren. Sei offen, neugierig und behalte die Nerven. Jedes Land ist einzigartig. Du wirst dich selber besser kennenlernen. Das Einzige, was ich im Nachhinein anders machen würde, ist, den Zeitpunkt der Abreise verschieben. Ich bin abgereist, sobald es möglich war. Doch in einem Pandemie-Jahr auszuwandern, ist nicht wirklich einfach. Ein neues Leben mit sozialen Kontakten aufzubauen war und ist dadurch unglaublich schwer. Trotzdem bereue ich es nicht, gegangen zu sein, denn es hat mich trotz Einschränkungen persönlich ein grosses Stück weitergebracht.

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