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Seit 101 Jahren bestimmen die Masken der Röllelibutzen die Altstätter Fasnacht.
Seit 101 Jahren bestimmen die Masken der Röllelibutzen die Altstätter Fasnacht. (Bild: Archiv/Max Tinner)

Aus christlicher Sicht: Maskierung – Personen ausprobieren

Armin Scheuter Kommentare

Die Fasnacht nimmt langsam Fahrt auf, und damit auch das Spiel mit der Maske. Grund genug, dem Maskentreiben auf den Grund zu gehen – auch religiös. Schliesslich gehören Masken, Larven, Schemen zu den ältesten religiösen Ritualgegenständen der Menschheit.

Als älteste Darstellung einer Schamanenmaske gilt eine 30000 Jahre alte Steinzeichnung in der Höhle «Trois-Frères» in Frankreich. Masken spielten eine wichtige Rolle im Jagd-, Toten- und Ahnenkult. Sie macht das Unsichtbare sichtbar. So gibt es in afrikanischen Sprachen keinen eigentlichen Begriff für die Maske. Sie ist genau das, was sie darstellt: Waldgeist, Urahn, das verehrte Jagdwild – oder sie dient der Beschwörung magischer Kräfte als Schutz vor dem Bösen.

In unserer europäischen Kultur ist die Maske seit vielen Jahrhunderten negativ besetzt – sie sei das vorgetäuschte Gesicht, so der Vorwurf. Sie verdecke das wahre und zeige das falsche Antlitz, weshalb sie für Betrug und Lüge stehe.

Daher wurde sie im Mittelalter seitens der Kirche geächtet, kam jedoch in Mysterienspielen, Narrenmessen und bei Prozessionen trotzdem stets zur Anwendung. Der Teufel verkörperte das Maskenprinzip schlechthin, denn ihm fehlte gewisser-massen das wahre Gesicht. Somit zeigte die Maskerade in den Augen der Kirche immer das Kontrastbild einer gottfernen, pervertierten, ja heuchlerischen Welt.

Dabei wurde vergessen: Menschen sind stets Träger von Rollen gewesen. In diesem Sinne steht die Maske für einen Rollentausch. Als Herrscher, Pfarrer oder Arzt beispielsweise, nehmen Menschen bestimmte Rollen in der Gesellschaft wahr, die jedoch auch wieder abgelegt werden. Ins Extreme treibt dies der Theaterschauspieler, der nach seinem Bühnenspiel wieder aus der Rolle schlüpft. Im antiken griechischen Theater ist die Maske durch strenge Frontalität gekennzeichnet. Sie blickt den Zuschauer durch grosse hohle Augen mit geöffnetem Mund an. Die Theatermasken waren in der Antike begrifflich die persona (von personare, übersetzt hindurchtönen), aus der sich später der moderne Begriff der Person herleitete. Neben dem profanen Begriff (Person), der sich in unserer Umgangssprache herausgebildet hat, gibt es noch eine zweite begriffliche Linie, die religions-philosophischer und juristischer Natur ist. Als Christen glauben wir immerhin an den einen Gott in drei Personen.

Die Ganze Thematik von Illusion und Transformation scheint ein kulturelles Menschheitsphänomen zu sein, das auch die moderne, durch rationales Denken und Handeln geprägte Gesellschaft immer wieder in ihren geschäftlichen Vollzügen und ökonomisierten Abläufen untergräbt. Und das ist wohl gut so.

Armin Scheuter

Pastoralassistent in Kobelwald

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