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Eine Geste der Hilfsbereitschaft lässt den Himmel auf Erden anbrechen.
Eine Geste der Hilfsbereitschaft lässt den Himmel auf Erden anbrechen. (Bild: depostiphotos/blasbike)

Aus christlicher Sicht: Jesus lebte die Nächstenliebe vor

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Wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann geht man nie unvoreingenommen durch die Welt: Der eine zieht einen Bogen um einen Bettler – denn wegschauen ist oft leichter, als stehen zu bleiben und zu helfen. Oder der andere geht gewissen Menschen, die nicht in sein Weltbild passen, aus dem Weg.

Das Verhalten von Jesus entsprach nicht unseren typisch menschlichen Verhaltensmustern. An vielen Stellen der Evangelien wurde sein Umgang mit den Menschen in Hinblick auf die damals geltenden Gesellschaftsregeln kritisch beurteilt. Nicht wenige Male wurde er für seine Taten gerügt und angefeindet.

Warum aber tat Jesus das alles? Im heutigen Evangelium findet man die Antwort: «Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.»

Aber ist das so einfach, oder handelt es sich dabei um ein nicht zu erreichendes Ideal? Der Auftrag Jesu zur Nächstenliebe ist eine Lebensaufgabe, an der man jeden Tag neu wachsen kann. Blickt man auf die gesellschaftliche Verfassung mit all ihren Regeln und Gesetzgebungen, Geboten und Verboten, verliert man schnell den Überblick, was gestattet oder verboten ist.

Wie einfach ist doch in diesem Kontext der Auftrag Jesu: «Liebt einander!» Die Grundlage dieser Liebe ist die Liebe zu Gott, die uns Jesus vorlebte. Wer sich am Verhalten Jesu also nicht stösst und aufregt, der hat den Schlüssel zum Weg zur Nächstenliebe gefunden. Unzählige Frauen und Männer haben dies vorgelebt: Die Hl. Mutter Theresa, die sich um die Armen in Kalkutta gekümmert hat, oder der Hl. Bruder Konrad von Parzham, der sein Essen den Armen gegeben und die eigenen Bedürfnisse vergessen hat.

Aber auch die Kirche steht für diesen Auftrag: Sie betreibt Krankenhäuser, Altersheime, diverse Beratungsstellen, leistet Entwicklungsarbeit und setzt sich für benachteiligte und notleidende Menschen ein. Diese fürsorgende Liebe heisst auf Latein Caritas. Nicht zufällig trägt auch die grösste Organisation der katholischen Kirche, die sich für die Nöte und Sorgen aller einsetzt, diesen Namen: Die Caritas tut viel Gutes im Stillen.

Die Kirche versucht, diesen Auftrag immer wieder neu in den jeweiligen Herausforderungen der Zeit vorzuleben.

Dies gilt auch für uns: Denn es zählt schon eine kleine liebevolle Geste, um den Himmel auf Erden anbrechen zu lassen.

Stefan Kiesewetter

Pastoralassistent in Au

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