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Widnau

Ein Wassertropfen im Meer fühlt sich wohl in einer grossen Gemeinschaft.
Ein Wassertropfen im Meer fühlt sich wohl in einer grossen Gemeinschaft. (depositphotos / vitaliy_sokol)

Aus christlicher Sicht: Jeder Wassertropfen ist kostbar

Georg Changeth Kommentare

Erleben wir es nicht jetzt im Sommer immer wieder, wie kostbar Wasser ist? Wenn wir durstig sind oder eine Erfrischung brauchen, dann schätzen wir den Wert des Wassers ganz besonders.

Wenn ein Wassertropfen auf trockene Erde fällt, so kann diese das Wasser nicht aufnehmen, der Tropfen verdunstet. Ein Wassertropfen im Meer dagegen fühlt sich wohl in einer grossen Gemeinschaft, er wird in Bewegung gehalten. Die vielen Tropfen verbinden sich und tragen einander.

Ein paar Wassertropfen Regen in der Natur sind für die Pflanzen und die Schöpfung lebensnotwendig, denn ohne Wasser gibt es kein Leben.

Diese Metapher möchte ich auf unser geistliches Leben übertragen: Viele Menschen sind heute innerlich ausgetrocknet, weil sie verlernt haben, in die Tiefe zu wachsen, Wurzeln zu schlagen und dort für die Schwierigkeiten des Lebens «Grundwasser» zu speichern. Der moderne Mensch kennt keine Ruhe auf der Suche nach Erlebnissen und Abenteuern. Dabei merken wir oft nicht, dass wir innerlich austrocknen. Sollten wir dann einmal eine kurze Zeit der Ruhe oder eine wohltuende Begegnung erfahren, so hinterlässt dies keine Spuren.

Anders dagegen ein Mensch, der aus dem Inneren seiner Seele Kraft schöpfen kann. Im Psalm 1 wird für Menschen, die nach der Weisung des Herrn leben, das Bild gebraucht: «Er ist wie ein Baum, der an Wasser­bächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.»

Mit zwei Dingen sollten wir uns vertraut machen: das Wasser als kostbares Gut zu schätzen und es nicht zu verschwenden. Wir sollten aber auch unsere Seelen nicht austrocknen lassen, denn gerade in der heutigen Zeit brauchen wir viel seelische und geistliche Kraft.

Sie kennen vielleicht das schöne Lied: «Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit, an deines Gottes Gaben.» – Es ist ein geistliches Sommerlied von Paul Gerhardt (1607–1676).

Da darf ich mich fragen: Wohin geht mein Herz, wenn es ausgeht, Freude zu suchen? 

Wenn mir Freude und Wohlwollen aus dem Herzen rinnen, dann kann das für andere Menschen zur Freude und zum Segen werden. Das Schönste im Leben wird immer durch Freude weitergegeben.

Viele kleine Gesten der Freundlichkeit und des Wohlwollens bewirken Wunder und sind für andere wie erfrischende Wassertropfen. «Was wir be­wirken, ist kaum mehr als ein Tropfen im Ozean, aber wenn wir tatenlos blieben, fehlte dem Ozean gerade dieser Tropfen.» – Ein schöner Satz von Mutter Teresa aus Kalkutta.

Ich wünsche Ihnen jetzt in der Sommerzeit viele freudvolle Momente. Diese können, wie Wassertropfen im Meer, unser Leben reich und frisch machen.

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